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Analytische Psychologie

Die “Analytische Psychologie” oder auch “Komplexe Psychologie” ist eine psychotherapeutische und psychologische Schule, die von Carl Gustav Jung nach dem Bruch mit Sigmund Freud (1913) gegründet wurde. In Deutschland wird sie vertreten durch die Deutsche Gesellschaft für Analytische Psychologie (DGAP), die C.G. Jung-Gesellschaften (Köln, Stuttgart, München, Hannover, Ulm, Freiburg) und die C.G. Jung-Institute (Berlin, Stuttgart, München). International wird sie vertreten durch die International Association for Analytical Psychology (IAAP).

Die Analytische Psychologie wurde aus der Tiefenpsychologie Carl Gustav Jungs weiterentwickelt und ist heute eine in Deutschland laut Psychotherapeutengesetz anerkannte Form der Psychotherapie. Der Wissenschaftlicher Beirat Psychotherapie fasst die Analytische Psychologie und andere tiefenpsychologische Verfahren unter dem Oberbegriff „Psychodynamische Psychotherapie“ zusammen und erkennt die Wissenschaftlichkeit dieser Verfahren an.

Analytische Psychologie – Einordnung

Die Analytische Psychologie gehört zu den so genannten Einsichtstherapien, die darauf ausgelegt sind, dem Kranken die Einsicht in sein psychisches Leiden zu vermitteln und durch diese Einsicht Veränderungen im Handeln und Erleben zu ermöglichen (Heilen). Wenn auch der Bedeutung der Einsicht dabei eine große Rolle zukommt oder zugeschrieben wird, so kommt doch der im Verlauf der Therapie entstehenden Beziehung sowie deren Analyse eine wichtige Bedeutung zu, um den Prozess der Auseinandersetzung sowohl einzuleiten als auch im Sinne des Patienten voranzutreiben. Eine der Grundannahmen der Analytische Psychologie ist, dass psychische Störungen, ähnlich wie in der Psychoanalyse und der Individualpsychologie, durch einen Konflikt zwischen Erfüllung und Abwehr des Triebes (Freud) sowie der Überkompensation von Minderwertigkeitsgefühlen entstehen (Adler). Somit setzt die Analytische Psychologie – wie die Psychoanalyse nach Freud – den Beginn einer psychischen Störung hauptsächlich in der Kindheit an. Darüber hinaus kann der Beginn ebenso in der Mitte des Lebens liegen, wo im Zuge des fortschreitenden Individuationsprozesses neue Lebensziele zu Konflikten führen.

Die Analytische Psychologie sieht sich als prospektiv ausgerichtete Therapie, d. h.: Die Symptome einer psychischen Krankheit sind nicht nur schädliche Warnzeichen, sondern enthalten genauso ein Streben auf etwas Positives hin. Entsprechend leiten sich daraus die Methoden ab, die zur Heilung einer psychischen Erkrankung führen sollen.

Schulen der Analytischen Psychologie

Innerhalb der Analytische Psychologie existieren im Gegensatz zu der Psychoanalyse keine klar abgegrenzte theoretische Schulen, wie etwa die Triebtheorie oder die Objektbeziehungstheorie. Trotzdem kann man innerhalb der Analytische Psychologie von Strömungen sprechen, die ebenfalls auf unterschiedliche Gewichtungen innerhalb des Theoriegebäudes fußen. Allerdings sind hier die Grenzen nicht so deutlich wie in der Psychoanalyse.

Generell kann man drei verschiedene Hauptströmungen ausmachen:

Diese unterscheiden sich in verschiedenen Merkmalen. Die Klassische Schule legt in ihrer theoretischen Ausrichtung besonderen Wert auf das Konzept des Selbst. Die entwicklungspsychologische Schule ist in ihrer Ausrichtung eher auf die Entwicklung der Persönlichkeit ausgerichtet. Wobei die Archetypische Schule hier selbstverständlich auf die Definition des archetypischen achtet. In ihrer klinischen Ausrichtung, d. h. in ihren Ansätzen zur Behandlung, unterscheiden sich die Schulen ebenfalls. Hier legt die Klassische Schule ihr besonderes Augenmerk auf die symbolische Erfahrung des Selbst. Die entwicklungspsychologische Schule zeigt in der Therapie besondere Parallelen zur Psychoanalyse. Sie konzentriert sich auf die Analyse der Übertragung und Gegenübertragung. Die Archetypen-Psychologie innerhalb der Analytische Psychologie legt besonderen Wert auf die eingehende Beschäftigung mit hochdifferenzierten bildlichen Vorstellungen. Die unterschiedlichen Vorstellungen der jeweiligen Schulen führen innerhalb der Analytische Psychologie zu Differenzen. Es ist allerdings schwer auszumachen, welcher Schule ein Autor zuzuordnen ist, denn bei bestimmten Themen kann es zu völlig unterschiedlichen Gewichtungen kommen.

Methodik

In der Analytische Psychologie geht man in verschiedenen sog. Settings vor. Dabei wird einmal unterschieden, ob eine einzelne Person oder eine Gruppe behandelt oder analysiert wird. In der Gruppe ist das übliche Setting als Sitzkreis organisiert. Das Setting der Einzeltherapie ist unterschiedlich. Manchmal wird der Analysand auf einer Couch liegen, und der Analytiker wird sich, ihm sichtbar gegenübersetzen. Das ist ein Unterschied zur ‘klassischen’ Psychoanalyse, in der sich der Analytiker stets außerhalb des Gesichtskreises des Analysanden setzt. Das wohl üblichste Setting in der Analytische Psychologie Behandlung ist, dass sich Analysand und Analytiker gegenüber sitzen.

In der Therapie von Kindern und Jugendlichen ist es häufig so, dass der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut auch mit den Kindern und Jugendlichen spielt. Der Therapeut gewährt den Raum, dass dem Patienten durch Traumanalyse, durch die Auseinandersetzung mit den Phänomenen von Übertragung/Gegenübertragung sowie durch aktive Imagination verdrängte oder aus anderen Gründen unbewusste Persönlichkeitsteile bewusst werden können. Die nachfolgende Auseinandersetzung kann dazu führen, dass die Patienten diese Persönlichkeitsanteile in ihre Gesamtpersönlichkeit integrieren und in der Folge neue Handlungs- und Erlebensmöglichkeiten sehen und entwickeln.

Die Beziehung zwischen Patient und Analytiker ist vor allem durch den Passus der Dialektik und der Synthese geprägt. Die Analytische Psychologie versteht darunter die vermehrte Beteiligung des Patienten an der Analyse. Der Analytiker bezieht den Patienten vermehrt ein und versucht mit ihm eine Beziehung aufzubauen, die eine Begegnung ermöglicht ohne die Unterschiede in den Realitäten der Beziehung (Patient/Arzt etc.) zu verleugnen. Dies steht im Gegensatz zu den Methoden der Psychoanalyse, welche (in der klassischen Ausprägung) eine distanzierte Beziehung als Ideal der Behandlung ansieht.

Das Therapiekonzept der Analytischen Psychologie

Das zentrale Jung’sche Konzept der Jung’schen Psychologie und Psychotherapie ist: Psychotherapie ist ein interpersoneller Prozess zwischen zwei Subjekten, die sich ausschließlich subjektiv in diesen Prozess hineinbegeben. Es findet eine wechselseitige Beeinflussung der beiden Beteiligten statt, bei dem beide, wenn es gut läuft, verändert aus diesem Prozess wieder heraustreten.

In der Analytische Psychologie Behandlung steht vor allem die Traumarbeit oder die Arbeit mit Phantasien im Vordergrund – im Gegensatz zur Psychoanalyse in der die freie Assoziation des Analysanden (Patienten) sowie die Arbeit mit Träumen im Vordergrund steht. Auch in einer Analytische Psychologie Behandlung deutet der Analytiker aufgrund der theoretischen Ausrichtung die Äußerungen der Analysanden/-innen. Allerdings wird hier vermehrt Wert auf die Passung der Deutung gelegt. Das bedeutet, dass eine Deutung, der der Analysand widerspricht, nicht so zwingend wie in der klassischen Psychoanalyse, auf einen Abwehrmechanismus schließen lässt. Dabei wird der Therapeut eher die Richtigkeit seiner Deutung hinterfragen. Aber auch das Konzept der Abwehrmechanismen ist in die Theorie der Analytische Psychologie eingegangen.

Die Übertragung spielt in der Analytische Psychologie eine weniger wichtige Rolle als in der Psychoanalyse. Hier ist vor allem entscheidend, welcher theoretischen Strömung der/ die AnalytikerInn nachgeht. Auch die Übertragung wird – je nach dem wie stark sie ausgeprägt ist – ähnlich wie in der Psychoanalyse bearbeitet. Hier gilt aber, dass eine starke Übertragung nicht notwendigerweise eine Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Analyse ist. Psychisches Leben, inklusive psychotherapeutische oder psychosoziale oder ärztliche oder pädagogische Arbeit, ereignet sich immer in mindestens einem Zwei-Personen-Prozess. Dabei geht es eher um die “Chemie” zwischen zwei Menschen, die stimmt oder nicht stimmt, was man beispielsweise an “Dialogen”, die flüssig laufen oder stocken, usw. sehen kann. Jung’sche Therapie wird daher manchmal auch dialogische Therapie genannt – im Unterschied zu der klassischen freudianischen Auffassung von Therapie /Analyse, in der der Patient einen Monolog hält, bei dem der Analytiker zuhört und maximal Deutungen gibt – eine allerdings unter modernen Freudianern weitgehend veraltete Auffassung.

Im psychotherapeutischen Bereich der Analytische Psychologie geht es immer darum, die Introspektion zu fördern, d.h. das Hineinschauen in die eigene Seele zu ermöglichen, zu vertiefen, zu erweitern. Diese Innenschau findet in ganz gewöhnlichen Alltagssituationen statt. Auch in der Analytisch Psychologischen Behandlung nimmt der Therapeut an, dass eine gegenseitige Beeinflussung stattfindet, der man sich trotz gründlicher Lehranalyse nicht entziehen kann. Es geht also einerseits um interpersonelle Zusammenhänge, um Verbundenheit zweier Körper und Seelen als auch um die inneren Bilder dieser beiden Personen, die sich miteinander mischen, verbinden, also Körper – inneres Bild – Beziehung, Interpersonelles und Intrapersonelles.

C. G. Jung

Eine besondere Rolle in der Analytischen Psychologie spielen die aus der Persönlichkeitstheorie von C. G. Jung abgeleiteten Strukturen der Seele. Das Ich ist das Zentrum des Bewusstseins und interagiert mit den oft im Unbewussten liegenden sonstigen Komplexen. Komplexe sind Konstellationen, welche die bewusste Einstellung stören können und sich zumeist um einen bestimmten Kern bilden, z. B. eigene Minderwertigkeit. Archetypen des kollektiven Unbewussten sind ererbte Möglichkeiten der Wahrnehmung, des Denkens und des Fühlens. Sie können durch individuelle Erfahrungen aktiviert werden.

Beispiel: Ein bestimmter Archetyp ruht im Unbewussten und wird mit dem äußeren Bild aktualisiert. Dieses äußere Bild entspricht einer seit Menschengedenken immer wiederkehrenden Situation wie die der Mutter für das neugeborene Kind. Der Säugling ist somit kein unbeschriebenes Blatt Papier. Er erwartet eine bestimmte Person, die ihn umsorgt. Da Bilder, wie das der Mutter, nicht vererbt werden können, nimmt die AP an, dass es bestimmte grundlegende Strukturen im Unbewussten gibt, welche z. B. den Neugeborenen erwarten lassen, dass eine Person für ihn da ist, ihn umsorgt und an die er sich bindet, um so die ersten und wichtigsten Dinge zu lernen. Dieses erprobte “evolutionäre” Konzept (Säugling – Bezugsperson) hat eine recht komplexe Interaktion zwischen Mutter und Kind zufolge.

Ein weiteres Beispiel für einen Archetypus ist der des gegengeschlechtlichen Sexualpartners. Dieser spezielle Archetyp wird, wie zu erwarten, ab der Pubertät wichtig. Er enthält nun sowohl die ererbten als auch die durch “reale” Erfahrungen geprägten Vorstellungen, von dem was man am Gegengeschlecht leiden mag oder nicht. Daraus entsteht ein dynamisches Bild von einem Geschlechtspartner, welches Liebe und sexuelle Lust erregt, und sich durchaus von den bewussten Vorstellungen von einem idealen Partner unterscheiden kann. Meist besteht dieser Archetyp auch aus unbewussten gegengeschlechtlichen Anteilen und spielt eine besondere Bedeutung für die psychische Entwicklung des Individuums.

Die Archetypen bilden in der theoretischen Fundierung der Analytische Psychologie auch die Grundlage für unsere Interaktion mit anderen Menschen. Da die archetypischen Grundstrukturen äußeren Bildern eine “archetypische” (allgemeinmenschliche) Bedeutung geben, kann man sie am besten in Träumen und Symptomen sowie in bestimmten Handlungen untersuchen. Diese können mit Berichten von Märchen, Mythen und religiösen Schriften aus allen Jahrhunderten verglichen werden, um so auf die spezielle Bedeutung des einzelnen, symbolischen Traumes zu gelangen, und somit eine Vorstellung von dem dahinterliegenden archetypischen Strukturen geben.

Gegenwart

In den letzten Jahren gab es vermehrt Forschung auf dem Gebiet der Übertragung, Gegenübertragung und Widerstände sowie der Entwicklungspsychologie. Die Erkenntnisse der bildgebenden Neurologie (Magnetresonanztomografie) scheinen manche tiefenpsychologische Konzepte der Persönlichkeit zu bestätigen.

Kritik

Kritisiert wurden die Ansichten der Analytischen Psychologie von Sigmund Freud und seiner Schule, der Psychoanalyse. Die Kritik richtet sich vor allem gegen die Auffassung des Unbewussten, das in der Analytischen Psychologie von C.G. Jung sehr weitgefasst ist. So bezweifeln die meisten Psychoanalytiker, dass bestimmte Bahnungen von Vorstellung im Sinne der Archetypenlehre vorgefunden werden können. Die Psychoanalyse sieht die Inhalte des Unbewussten lediglich durch die persönliche Entwicklung des Einzelnen determiniert. Obwohl sich die beiden Schulen der Tiefenpsychologie in vielem gleichen, haben viele spezielle Annahmen in der Vergangenheit und Gegenwart zu Zerwürfnissen geführt. Die beiden Richtungen der Tiefenpsychologie nähern sich jetzt langsam erst wieder an.

Kritik an der Tiefenpsychologie findet sich auch aus den Reihen anderer psychologischer Paradigmen. Die Wissenschaftlichkeit der Analytischen Psychologie ist umstritten. Hier wird vor allem kritisiert, dass die Theorien und Modelle der Tiefenpsychologie durch „unwissenschaftliche“ Methoden gefunden wurden. Andere psychologische Paradigmen gründen sich beispielsweise auf der Bewusstseins- und Verhaltenspsychologie. D. h., dass die Grundannahmen dieses Paradigmas, einige spezielle Methoden und Ansichten und auch ihre Ergebnisse empirisch, statistisch nachweisbar sind. Zwar gründet sich die Tiefenpsychologie und die Psychoanalyse ebenfalls auf empirischen Methoden, allerdings werden diese angezweifelt, da sie nur schwer oder über Umwege nachvollziehbar, d. h. verifizierbar sind. Des Weiteren bedient sich die Tiefenpsychologie auch anderer wissenschaftlicher Methoden, die den Geisteswissenschaften zuzuordnen sind, vor allem der Hermeneutik, des Konstruktivismus, der Systemtheorie (Psyche als System) sowie der Phänomenologie (Phänomenologen sehen den Ursprung der Erkenntnisgewinnung in den unmittelbar gegebenen Erscheinungen. Entsprechend untersuchen sie ausschließlich Zusammenhänge zwischen diesen Erscheinungen. Diese formalen Beschreibungen geben grundsätzlich den Anspruch aller phänomenologischen Ansätze wieder, seien es philosophische oder naturwissenschaftliche, literarische oder psychiatrische. Sie unterscheiden sich nur in der Art, wie sie mit dem unmittelbar Gegebenen umgehen).

Weblinks

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