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Neurolinguistische Programmierung

Neurolinguistische Programmierung (kurz NLP) ist Anfang der 1970er Jahre an der University of California in Santa Cruz entstanden und versteht sich als ein Modell der zwischenmenschlichen Kommunikation und einer Sammlung unterschiedlicher psychologischer Verfahren und Modelle, die zu einer effektiveren zwischenmenschlichen Kommunikation und Einflussnahme führen.

Geschichte der Neurolinguistische Programmierung (NLP)

Die neurolinguistische Programmierung wurde von dem damaligen Mathematikstudenten und späteren Psychologen Richard Bandler und John Grinder entwickelt. Grinder war zeitweise Assistent bei Gregory Bateson, dem ebenfalls ein Einfluss auf die Neurolinguistische Programmierung (NLP) nachgesagt wird. Bateson distanzierte sich jedoch bald vehement von Grinder und Bandler.

Bandler und Grinder interessierten sich insbesondere für drei Therapeuten unterschiedlicher Ausrichtung, die zu ihrer Zeit ausnehmend erfolgreich waren, und versuchten, in deren Vorgehensweise herauszufinden, was sie in ihren Therapiegebieten so erfolgreich sein ließ: den Gestalttherapeuten Fritz Perls, die Familientherapeutin Virginia Satir und den Hypnotherapeuten Milton H. Erickson. Bandler und Grinder analysierten die Sprache und die Körpersprache dieser drei Therapeuten und versuchten, aus deren Vorgehen bestimmte Interventionstechniken herauszufiltern, die zusammen mit Erkenntnissen aus der Linguistik zum Grundstock der ersten NLP-Schule wurden. Ein eindeutig festgeschriebenes theoretisches Gerüst fehlt der NLP jedoch.

Erste Berichte wurden in zwei Büchern Mitte der 1970er Jahre bekannt. Bandler und Grinder kamen zunächst zur Entwicklung des PRS-Konzepts (von Preferred Representational System), das davon ausgeht, dass Menschen, individuell unterschiedlich, vorrangig über bestimmte Sinneswahrnehmung die Umwelt wahrnehmen. Im Jahre 1976 folgte aus der Analyse der Sprachstrukturen von Perls und Satir das Meta-Modell der Neurolinguistische Programmierung (NLP). Das Meta-Modell versteht sich als Sprachmodell, mit dem im NLP-Sinne Informationen über Gedankenmodelle des Kommunikationspartners gesammelt und ausgewertet werden, und das zwischen einer Oberflächen- und einer Tiefenstruktur menschlicher Kommunikation unterscheidet. 1979 folgte aus der Beobachtung des Hypnotherapeuten Erickson das Milton-Modell. Später kamen Untersuchungen an herausragenden Künstlern, Managern, Verkäufern, Pädagogen u.a. hinzu und erweiterten das Methodenbündel der Neurolinguistische Programmierung.

Die Zusammenarbeit der NLP-Begründer Bandler und Grinder endete 1980, und in den neunziger Jahren kam es zu gerichtlichen Auseinandersetzungen zwischen ihnen um Markenrechte am Begriff NLP. Die Werkzeuge der Neurolinguistische Programmierung (NLP) werden seither vor allem außerhalb des akademischen Lehrbetriebes weiterentwickelt und laufend ergänzt.

Anfang der 1980er Jahre wurde die Neurolinguistische Programmierung (NLP) auch in Europa populär, und es entstanden konkurrierende Ausbildungsinstitute mit verschiedenen Abschlüssen. Später wurden die Ausbildungsinhalte und die Ausbildungsdauer über nationale Verbände festgeschrieben.

Selbstverständnis als “Methodenbündel/Werkzeugkasten”

NLP befasst sich im weitesten Sinn mit menschlicher Kommunikation. NLP kann als eine auf stetige Weiterentwicklung angelegte Methodensammlung angesehen werden. Anhänger dieser Sichtweise betrachten die Neurolinguistische Programmierung (NLP) als eine Vielzahl einzelner, von einander abgegrenzter Handlungsanweisungen (sogenannter NLP-Formate) für die Arbeit mit Menschen in Veränderungssituationen. Andere NLP Anwender sehen allerdings weniger die Methoden und die Formate im Vordergrund, sondern die konstruktivistische Sicht auf Kommunikation und die lösungsorientierte Herangehensweise des NLPs. Die Neurolinguistische Programmierung (NLP) beansprucht nicht, wissenschaftlich begründet zu sein.

Neurolinguistische Programmierung

Seit Bandler und Grinder untersuchen NLP-Anwender die Verhaltensweisen von Persönlichkeiten (Therapeuten, Unternehmern, Künstlern, Wissenschaftlern), die auf ihrem Gebiet herausragende Leistungen zeigten, auf mögliche Muster und Gemeinsamkeiten. Sie beobachten, dass die untersuchten Personen tatsächlich sprachliche (verbale und nonverbale) Verhaltensmuster aufweisen, die sich ähneln.

Wie bei anderen psychologischen Ansätzen geht man auch in der Neurolinguistische Programmierung (NLP) davon aus, dass menschliches Verhalten (äußerlich wahrnehmbar) durch innere Prozesse ausgelöst und strukturiert wird. Innere Prozesse und äußere Wahrnehmungen stehen in einem gegenseitigen Zusammenhang.

Als Grundannahme dient dabei die Auffassung, dass der sprachliche oder gedachte sprachliche Ausdruck (sogenannter “innerer Dialog”), die bildlichen Gedanken oder auch das Körpergefühl eines Menschen das subjektive Wahrheitsempfinden einer Person bestimmen. Dieses Empfinden stellt nach Auffassung der Neurolinguistische Programmierung (NLP) einen Ausdruck innerer Modelle dar, mit deren Hilfe ein Mensch gedankliche Abbilder seiner Umwelt entwirft (sogenannte innere Landkarten), um sich sozial zu orientieren. Sie bestimmen das Weltbild eines Menschen.

Ein fundamentales Instrument zu jedem nur denkbaren Arbeiten mit der Neurolinguistische Programmierung (NLP) sind zwei bewusst erlernbare Fähigkeiten, um zum Gegenüber Rapport (“einen Draht”) herzustellen: Intuitives oder bewusstes Anpassen und Führen.

  • Pacing (Anpassen, Mitgehen) spiegelt den Kommunikationspartner und basiert auf der Annahme, dass sich Menschen, die sich gut verstehen, einander angleichen (unter anderem in Tonfall, Lautstärke, Sprechtempo, Körperhaltung, Distanz, Direktheit des Auftretens).
  • Leading (Führen) hingegen eröffnet neue körpersprachliche oder tonale Signale, um im Gespräch die Führung zu übernehmen. Dies muss nicht im selben Augenblick wie beim Gegenüber geschehen, sondern kann auch zeitversetzt ablaufen und sollte sich im Gespräch mit Pacing abwechseln. Priorität hat hierbei nicht die Manipulation des Gegenübers, sondern der bewusste emotionale Kontakt.

Vorannahmen

Ein zentrales Element der Neurolinguistische Programmierung (NLP) sind die NLP-Vorannahmen, welche von Bandler und Grinder als Verhaltensgrundmuster beim “Modellieren” erfolgreicher Persönlichkeiten erkannt wurden. Die 12 wichtigsten “Vorannahmen” sind:

  • Die Landkarte ist nicht das Gebiet.
  • Menschen treffen innerhalb ihres Modells von der Welt grundsätzlich die beste ihnen mögliche Wahl.
  • Jedes Verhalten ist durch eine positive Absicht motiviert. Das Akzeptieren einer subjektiv positiven Absicht ignoriert nicht die möglichen Auswirkung einer Handlung. Sie dient im beratenden Kontext dazu, ein negatives Selbstbild umzudeuten.
  • Menschen haben alle Ressourcen in sich, um jede gewünschte Veränderung an sich vorzunehmen. Zu ergänzen “… bis man an Grenzen stößt, z.B. physische Ursachen.”
  • Der positive Wert eines Individuums bleibt konstant, aber die Angemessenheit von Verhalten kann bezweifelt werden.
  • Es gibt in der Kommunikation keine Fehler oder Defizite. Alles ist Feedback. Durch diese Vorannahme wird der Weg zur verletzungsfreien Annahme von Kritik eröffnet. Einseitige Schuldzuweisungen sind auch nach Paul Watzlawick (Interdependenz) grundsätzlich falsch.
  • Die Bedeutung der Kommunikation liegt in der Reaktion, die man erhält. Nicht, was Du tust, zählt, sondern wie Deine Umgebung auf Dich reagiert.
  • Wenn etwas nicht funktioniert, tue etwas anderes. Offen zu sein für alles, was funktioniert. Die Bereitschaft zur Suche nach Lösungsalternativen. Eine typische Konfusion wird hiermit erzeugt: “Es ist so!” – “Oder auch nicht!!”
  • In einem ansonsten gleich bleibenden System kontrolliert das Element mit den größtmöglichen Verhaltensmöglichkeiten das System. Es wird Verhaltensflexibilität vom Berater eingefordert.
  • Widerstand beim Klienten bedeutet mangelnde Flexibilität auf Seiten des Beraters. Es gibt immer einen dritten Weg.
  • Der Sinn jeder Kommunikation ist nicht die Absicht, sondern die Reaktion, die sie beim Gegenüber auslöst. Diese Annahme korrespondiert mit dem Axiom (ein nicht deduktiv abgeleiteter Grundsatz einer Theorie) von Paul Watzlawick: Wahr ist nicht, was A gesagt hat; Wahr ist, was B verstanden hat.
  • Wenn jemand etwas Bestimmtes tun kann, so ist es möglich, dieses Verhalten zu modellieren (nachzumachen) und es weiterzugeben.

Erfolgreiche Therapeuten usw. bauen ihre Kommunikation auf diesen Vorannahmen auf. Sie bildeten damals bei den ‘modellierten’ Personen die Voraussetzung für erfolgreiches Wirken. Die Neurolinguistische Programmierung (NLP) vermittelt somit jetzt die Grundlagen, die einen Erfolg begünstigen.

Elemente und Formate

NLP-Anwender gehen davon aus, dass es möglich und sinnvoll ist, einzelne Methoden aus unterschiedlichen psychologischen Schulen isoliert voneinander zu erlernen und gezielt zur Verbesserung von Kommunikation einzusetzen. Hierbei wird deutlich, dass die Neurolinguistische Programmierung (NLP) kein in sich geschlossenes Lehrsystem darstellt. Den so genannten “NLP-Formaten” ist gemeinsam, dass sie sich an der Stärkung von “inneren Ressourcen” orientieren, den Schwerpunkt in die Aufarbeitung der Vergangenheit des Klienten setzen, mit besonderem Augenmerk auf Veränderungsarbeit in den kritischen Bereichen (Interventionen, z.B. HistoryChange, Neuprägung). Ressourcenstärkung dient zur Überwindung von Problemen, Schwellenängsten, Blockaden oder Störungen. Ergänzend hierzu wird großer Wert auf eine humanistische Haltung des Beraters in der Arbeit mit Klienten gelegt.

Der Klient kann mit Hilfe von NLP-Formaten auch in eine leichte Trance (ohne bewusstseinserweiternde Elemente) geführt werden und in dieser Entspannung innere Bilder oder Gefühle betrachten. Das hängt vom Ziel der Intervention und von den vorhandenen Ressourcen der Beteiligten (Berater und Klient) ab. Die wichtigsten Bestandteile im laufenden Prozess sind die Autosuggestion, das Dissoziieren, das Ankern und das Reframing.

Die eigentliche Arbeit in der Beratung läuft entlang klar vorgegebener Handlungs- und Gesprächsformeln ab. Ein sog. “NLP-Format” enthält somit Anweisungen, die den Beratungsprozess qualifizieren.

Die einzelnen Formate sind in Gruppen zu Hauptformaten zusammengefasst. Jede Gruppe enthält unterschiedliche Formate, zu ein und demselben Problemtypus des möglichen Klienten. Der NLP-Berater entscheidet, welches Format ihm in der jeweiligen Situation hilfreich erscheint.

Die Vielzahl der möglichen Vorgehensweisen innerhalb der Neurolinguistische Programmierung (NLP) unterscheidet die “Methode” auch grundsätzlich von anderen therapeutischen Vorgehensweisen. Viele NLP-Formate entstammen klassischen Therapieformen oder sind in jahrelanger Arbeit durch sog. “Modellierung” (auch “Benchmark” oder “Kopieren” genannt) entstanden. So gibt es Modelle zur positiven Umdeutung von Wahrnehmungen, zur Zielfindung, zum Ankern (auch klassische Konditionierung genannt), zur Veränderung von Submodalitäten (gedanklicher Muster zur Erinnerung von wichtigen Vorgängen) und Arbeit mit gegebenen bzw. projizierten Abläufen in der Gedankenwelt oder dem realen Erleben des Klienten sowie verschiedene Strategiemodelle, mit denen Benchmarking oder Ideenfindung erlernt werden.

Andere Formate des NLP nutzen das Reframing oder die Konklusion paradoxer Sichtweisen, um den Klienten aus unangenehmen Sichtweisen heraus zu entwickeln. Grundlage der Neurolinguistische Programmierung (NLP) ist die Annahme, dass hinter jedem Ergebnis eine (oft unbewusste) Strategie steht, so dass auch einem “Misserfolg” eine Planung zugrunde liegt. Diese so genannten “Meta-Programme”, von denen angenommen wird, dass sie die zum Teil unbewussten Entscheidungsprozesse begleiten, sollen mit Hilfe zumeist verhaltenstherapeutischer Interventionen gezielt verändert werden. Das Bewusstsein des Klienten soll dazu angeregt werden auf der Basis von zuvor visualisierten oder beschriebenen Zielen auch neue Strategien zu entwickeln. Da diese sich nach Richard Bandler im Denken, also im Gehirn abspielen, geht es nun darum, Menschen beizubringen, wie sie mit ihren vorhandenen Ressourcen neue, hilfreiche Verhaltensweisen entwickeln können.

Der Begriff “Programmieren” versteht sich innerhalb der Neurolinguistische Programmierung (NLP) nicht als manipulativ, da sämtliche Interventionen unter Abfrage der ethischen und moralischen Werte des Klienten abgestimmt werden. Dies geschieht gerade, weil sich NLP-Trainer durchaus der Tatsache bewusst sind, dass sich das Instrumentarium für manipulative Veränderungen beim Klienten eignen könnte, die diesem nicht bewusst sind. Solche unbewussten Manipulationen, die etwa Ziel von Verkaufsgesprächen oder Verhandlungen sein könnten, werden in der Neurolinguistische Programmierung (NLP) durch ethische Standards ausgeschlossen.

Die Absicht besteht vielmehr darin, Klienten und Klientinnen zu helfen, sich gegenüber Programmen, die normalerweise unbewusst ablaufend, zu emanzipieren und damit ihre Lebensqualität zu steigern.

Als zentrale Grundannahme der Neurolinguistische Programmierung (NLP) gilt, dass innere Vorgänge und innere Wahrnehmung des Menschen gleichgesetzt werden und dass zur Diagnose psychologischer Störungen die Befunde aus einer Befragung des Klienten verwendet werden. Hierbei liegt folgende Annahme zugrunde:

Der Mensch nimmt die Umwelt mit seinen fünf Sinnen wahr:

  • Visuell (mit dem Sehsinn, d.h. mit den Augen)
  • Auditiv (mit dem Hörsinn, d.h. mit den Ohren)
  • Kinästhetisch (mit allen Teilen seines Körpers, Haptische Wahrnehmung)
  • Olfaktorisch (mit dem Geruchssinn, d.h. mit der Nase)
  • Gustatorisch (mit dem Geschmackssinn, d.h. mit dem Gaumen)

Die fünf Kommunikationskanäle werden mit VAKOG abgekürzt (“visuell, auditiv, kinästhetisch, olfaktorisch und gustatorisch”).

In der Regel werden ein oder zwei Sinneskanäle bevorzugt verwendet. Hierbei handelt es sich häufig um visuelle und akustische oder kinästhetische und visuelle Repräsentationen. Die Theorie der **Lerntypen** basiert auf dieser Einteilung.

Die Prägung (Lerntyp) hat Auswirkungen darauf, wieviel Information bei einer Ansprache ankommt bzw. verloren geht. Klänge (z.B. Wörter), Bilder, Gerüche, Geschmacksempfindungen oder Gesten sind bei Menschen durch die Erfahrung miteinander verknüpft. So kann der Klang einer bestimmten Türklingel beispielsweise mit Erinnerungen an ein damit verbundenes Ereignis verknüpft sein, welches schon lange zurück liegt. Die vorgegebene Prägung als Lerntyp bedarf der Ergänzung durch spezifische Lernstrategien.

Derartige Gedankenverknüpfungen werden mit der Technik des Ankerns hergestellt. Damit knüpft der NLP-Anwender bewusst neue emotionale Konnotationen oder nutzt bereits vorhandene. Nicht nur Gedanken lassen sich so für die therapeutische Arbeit nutzen, sondern auch Gefühle. Werden bei Glücksgefühlen bewusst bestimmte Bewegungen oder Gesten eingeübt, so lassen sich diese Gefühle später mit diesen Bewegungen oder Gesten wieder aktivieren.

Der Öko-Check dient als Instrument zur Prüfung auf soziale oder systemische Verträglichkeit (Verträglichkeit mit der Umwelt des Klienten). Dabei wird geprüft ob bzw. sichergestellt, dass die Veränderungen mit der Werteordnung des Klienten und seinem sozialen Umfeld übereinstimmen. Eine Veränderung sollte nur erwünschte Konsequenzen haben. Eine Form des Öko-Checks ist der ”Future-Pace”.

Der Future-Pace dient als ‘Schritt in die Zukunft’ der Zukunftsabfrage auf Kongruenz (Übereinstimmung) mit den eigenen Wünschen. Er spielt eine zukünftige Situation mental durch. Man stellt sich innerlich vor, wie ein neues Verhalten umgesetzt wird, z.B. ein Hochsprung. Dabei durchlebt der Sportler im Zeitraffer die inneren Bilder, Klänge und Gefühle, die zu seinem Sprung über die Latte gehören. Er spielt die einzelnen Schritte des Laufes inkl. der Muskelanspannungen im Kopf wie einen inneren Spielfilm durch. Das Gehirn weiß damit im Voraus, was es später in der Wirklichkeit zu tun hat.

Wissenschaftliche Quellen und Psychotherapie

Neurolinguistische Programmierung (NLP) als Methodensammlung nimmt für sich in Anspruch, auf bestimmten wissenschaftlichen Theorien und Annahmen zu basieren, die im Laufe der NLP-Praxis z.T. erheblich verändert wurden. Sie integriert dabei fünf einander ergänzende Methoden zu einem eigenen Aussagen-Gebäude, ohne jedoch insgesamt den Anforderungen einer geschlossenen wissenschaftlichen Theorie zu genügen. Die Neurolinguistische Programmierung (NLP) geht u.a. auf folgende Ursprünge zurück:

  • Die auf William James zurückgehende Theorie der sinnesspezifischen Repräsentationssysteme als Grundbausteine der Informationsverarbeitung und des subjektiven Erlebens.
  • Die Konditionierung (Iwan Petrowitsch Pawlow), im NLP Ankern genannt.
  • Die Kybernetik der Theorie des Geistes von Gregory Bateson, insbesondere der logischen Ebenen des Lernens und der Unified Field Theory als Weiterentwicklung von Robert Dilts.
  • Das Modell einer grundsätzlichen Zielorientierung menschlichen Handelns (TOTE, Strategien) (Miller, Galanter, Karl Pribram).
  • Die von Noam Chomsky (Transformationsgrammatik) und die darauf aufbauenden und unter dem Einfluss der Postulate von Alfred Korzybski (the map is not the territory) durch Bandler und Grinder abgewandelten Modelle der Sprache (Metamodell).
  • Die sozial-kognitive Lerntheorie von Albert Bandura mit dem von Bandler und Grinder verwandten Modelling-Ansatz (in der Psychologie Expertise-Forschung).
  • Die aus der Praxis des Modellierens von Fritz Perls, Virginia Satir und Milton H. Erickson resultierende Grundannahme der Existenz funktionalautonomer Persönlichkeitsanteile mit bewussten und unbewussten Prozesskomponenten.
  • Der Konstruktivismus als grundlegendes Weltbild im NLP.

In der beratenden Arbeit oder der praktischen Personalentwicklung korrespondiert die Neurolinguistische Programmierung (NLP) hierzu stark mit dem so genannten Vier-Seiten-Modell von Friedemann Schulz von Thun, der die Wahrnehmungsdimensionen der Sprache auf einfache Weise in vier Bereiche einteilt:

  • Der sachliche Inhalt einer Botschaft
  • Ihr appellativer Aspekt
  • “Wir-Botschaft”, der Bereich einer so genannten Kontaktvergewisserung in der Beziehungshierarchie zwischen den Gesprächspartnern.
  • “Ich-Botschaft”, die Selbstoffenbarungsebene, auf welcher der Sender etwas über seine Werte, (An-)Triebe und sein Selbstwertgefühl mitteilt.

Aufgrund der multimodalen Struktur (Methodensammlung aus ca. 30 NLP-Formaten) ist eine generalisierende wissenschaftliche Anerkennung der Neurolinguistische Programmierung (NLP) als Kommunikationshilfe kaum möglich, obwohl einzelne Methoden aus anerkannten wissenschaftlichen Schulen entlehnt sind. Die Neurolinguistische Programmierung (NLP) versteht sich in diesem Sinne selbst als eine Art “Werkzeugkoffer”, der die therapeutischen Möglichkeiten eines psychologischen Beraters erweitert.

Eine andere Herangehensweise will die Neuro-Linguistische Psychotherapie (NLPt) ermöglichen; ein jüngerer Zweig der Neurolinguistische Programmierung (NLP), der seit Anfang 2007 in Österreich als Psychotherapiemethode anerkannt ist. Mit der NLPt werden die methodischen Mängel der allgemeinen NLP als Kommunikationspraxis überwunden und eine den Ansprüchen der therapeutischen Aufgabenstellung entsprechende Ausbildung mit wissenschaftlich anerkannten Standards innerhalb der Erweiterung konventioneller Verhaltenstherapie geprägt. Die Anerkennung der NLPt als Psychotherapie im europäischen Rahmen ist bereits erfolgt. In Deutschland sind Bemühungen für ein Anerkennungsverfahren im Gange.

Ausbildungen

NLP-Kurse sind primär als Seminare zur Selbsterfahrung angelegt. Sie vermitteln einerseits die Kenntnisse der Grundlagen und Methoden, die zur verantwortungsvollen Anwendung dienlich sind, andererseits leiten sie die Teilnehmer an, ihre Wertvorstellungen zu überprüfen und ggf. gemäß der Ethik-Richtlinien zu verändern.

Die NLP-Ausbildungen sind national und international unterschiedlich geregelt. Es haben sich jedoch nationale und internationale Vereinigungen und Verbände etabliert, die Ausbildungsrichtlinien erlassen haben. Dabei werden die Mindestdauer, die Mindestinhalte, die Testingkriterien sowie die Qualifikation der Trainer beschrieben. Die Verbandsmitglieder sind verpflichtet, sich an diese Curricula zu halten und dürfen nur dann die entsprechenden Siegel verwenden. Üblich ist die gegenseitige Anerkennung der Ausbildungen, mitunter jedoch mit Auflagen.

Nur drei Stufen der Ausbildung sind in den verschiedenen Verbänden gleich benannt:

  • NLP-Practitioner
  • NLP-Master, auch NLP-Master-Practitioner genannt
  • NLP-Trainer

In einigen Vereinigungen und Verbänden wurden Ausbildungen und Curricula als NLP-Therapeut und als NLP-Coach eingeführt. Je nach spezifischer Ausrichtung haben sich weitere Ausbildungsgänge zum Business-Coach, zum LernCoach u.a. gebildet. Manche Verbände unterscheiden zwischen Trainer (abgeschlossene Trainerausbildung) und Lehrtrainer (Zulassung, um NLP-Ausbildungen durchzuführen) oder zwischen Trainer (abgeschlossene Trainerausbildung) und Master Trainer (besonders erfahrener, kompetenter Trainer).

Neu ist eine Practitioner-Ausbildung mittels Integriertem Lernen (E-Learning daheim am PC kombiniert mit Präsenztraining), die mit Curriculum seit März 2005 von der INLPTA verabschiedet wurde. In Deutschland sind die NLP-Anwender im DVNLP e.V. und in der DG-NLPt e.V. (einer Schwesterorganisation des DVNLP) organisiert, in der Schweiz in der HANLP, in Österreich in der ÖDV-NLP und der ÖBV NLP.

Auf europäischer Ebene gibt es die EANLPt mit psychotherapeutischen Ausbildungen. Die Verbände dienen u.a. der Qualitätssicherung von NLP-Ausbildungen. Seit 2007 wird NLP als Masterstudiengang an der University of Kingston in Großbritannien zertifiziert: „Master of Arts in Coaching and NLP“. An einigen Fachhochschulen und Universitäten in Deutschland werden (Einführungs-)seminare des NLPs oder Seminare, in deren Rahmen NLP Methoden eingesetzt werden, angeboten. Die ´”Society of NLP” wurde 1979 in den USA u.a. von Richard Bandler gegründet.

Kritik

Fortschritte und Erkenntnisse der modernen psychologischen Grundlagenforschung und insbesondere der Neuropsychologie blieben bei der Neurolinguistische Programmierung (NLP) historisch bedingt weitgehend unberücksichtigt. Die zugrundeliegenden Modelle und Konzepte sind allesamt qualitativ geisteswissenschaftlicher Natur und werden der hochkomplexen Realität nur teilweise gerecht. Die Neurolinguistische Programmierung (NLP) kann derzeit nicht auf gesicherte naturwissenschaftliche Grundlagen zurückgreifen, da weite Teile der Neurowissenschaften bisher nur unzureichend erforscht sind.

Einige Kritiker aus dem Bereich der Psychologie sehen in der Neurolinguistische Programmierung (NLP) eine klassische Pseudowissenschaft, da zwar Elemente etablierter Theorien übernommen werden, die Lehre selbst jedoch auf scharfe Tests der Behauptungen verzichte. Die Neurolinguistische Programmierung (NLP) erwecke so den Anschein der Wissenschaftlichkeit, ohne ihn einzulösen. NLP-Kritiker weisen ferner darauf hin, dass die Neurolinguistische Programmierung (NLP) im akademischen Betrieb praktisch keine Rolle spielt. Dadurch werde deutlich, dass es sich bei NLP im universitären Sinne nicht um eine ernstzunehmende psychologische/psychotherapeutische Schule handelt und NLP auch nicht der Kontrolle durch andere Wissenschaftler unterliegt. Dieser Argumentation kann entgegen gehalten werden, dass die Neurolinguistische Programmierung (NLP) zumindest punktuell im Rahmen einzelner Lehrveranstaltungen an einigen Fachhochschulen und Universitäten angeboten wird und insoweit auch Berücksichtigung im akademischen Lehrbetrieb findet.

Es existieren einige Studien zur Wirksamkeit von NLP bzw. Teilbereichen der NLP, mit eher uneinheitlichen Ergebnissen. Kritiker bemängeln, dass die meisten dieser Studien den Minimalanforderungen an einen Wirksamkeitsnachweis nicht genügen. Kriterien, wie sie üblicherweise an Evaluationsstudien gestellt werden (Kontrolliertheit, Randomisierung, Manualisierung, ansatzweise Verblindung u.ä.), werden oft nicht erfüllt. Insgesamt gesehen steht der Nachweis der Wirksamkeit von NLP oder einzelner NLP-Methoden (soweit diese nicht einfach aus anderen Verfahren übernommen wurden) daher aus.

NLP-Praktiker wenden ein, dass die Neurolinguistische Programmierung (NLP) keine neue wissenschaftliche Theorie begründe, sondern eher eine Sammlung heuristischer Verfahren effektiver Kommunikation sei. Dennoch müssten, so die Kritiker, aus wissenschaftlicher Sicht auch Aussagen der NLP bestätigt oder widerlegt werden können, wie etwa im Fall der “Augenbewegungshypothese”. Dort konnten die von der Neurolinguistische Programmierung (NLP) postulierten Zusammenhänge nicht nachgewiesen werden.

Kritiker der Neurolinguistische Programmierung (NLP) weisen nicht zuletzt darauf hin, dass zahlreiche Anbieter der Neurolinguistische Programmierung (NLP) mit esoterischen Lehren kombinieren, was zu einer Vermischung mit offensichtlich pseudowissenschaftlichen Lehren führe. Für den Ratsuchenden sei es kaum möglich, zwischen NLP-Techniken und esoterischen Elementen zu unterscheiden, da die Grenzen fließend seien.

Literatur

  • Andreas, Steve und Connirae: Mit Herz und Verstand. Paderborn: Junfermann, 4. Aufl. 2004.
  • Andreas, Steve und Faulkner, Charles: Praxiskurs NLP. Paderborn: Junfermann, 6. Aufl. 2006.
  • Bandler, Richard: Bitte verändern Sie sich … jetzt! Transkripte meisterhafter NLP-Sitzungen. Paderborn: Junfermann, 4. Auflage, 2003.
  • Bandler, Richard & Grinder, John: Die Struktur der Magie: Metasprache und Psychotherapie: Bd I, Paderborn: Junfermann, 11. Auflage, 2005.
  • Bandler, Richard & Grinder, John: Struktur der Magie: Kommunikation und Veränderung: Bd II, Paderborn: Junfermann, 8. Auflage, 2003.
  • Dilts, Robert’: Die Magie der Sprache. Paderborn: Junfermann, 2. Auflage, 2005.
  • Dilts, Robert: Die Veränderung von Glaubenssystemen. Paderborn: Junfermann, 4. Auflage, 2006.
  • Mohl, Alexa: Der große Zauberlehrling. Paderborn: Junfermann, 2. Auflage, 2008.
  • Schmidt-Tanger, Martina, Tomas, Jens und Tschepp, Christian: MILTON! Sprachliche Brillanz für professionelle Kommunikatoren. Paderborn: Junfermann, 2005.
  • Schmidt-Tanger, Martina und Kreische, Jörn: NLP-Modelle – Fluff & Facts. VAK-Verlag, 4. Aufl. 2005

Weblinks

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