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Friedemann Schulz von Thun

Friedemann Schulz von Thun (* 6. August 1944 in Soltau ist ein deutscher Psychologe. Er ist Kommunikationswissenschaftler und bekannt als Autor des dreibändigen Werkes “Miteinander reden”. Als Professor der Psychologie an der Universität Hamburg gestaltet er den Studienschwerpunkt “Beratung und Training” und erforscht die Psychologie der zwischenmenschlichen Kommunikation] 2007 gründete er das Schulz von Thun-Institut für Kommunikation.

Friedemann Schulz von Thun: Studium, Kurse und Leitideen

Friedemann Schulz von Thun besuchte die Gelehrtenschule des Johanneums in Hamburg. Als Trainer des dortigen Schachvereines (SKJA bzw. später SKJE) beschäftige er sich schon früh mit psychologischen Fragen. Er entwickelte damals die Methode des “lauten Denkens”. Schulz von Thun studierte Psychologie, Philosophie und Pädagogik in Hamburg 1967-71, war dann Assistent bei Reinhard Tausch und promovierte 1973 über “Verständlichkeit der Wissens- und Informationsvermittlung”. Kurz nach seiner Habilitation 1975 wurde er in Hamburg zum Universitätsprofessor berufen.

Ab 1971 hielt er Trainingskurse für Lehrer und Führungskräfte, die anfangs von Leitideen des Verhaltenstrainings und angewandter Gruppendynamik bestimmt waren. Ziel war die “innere Demokratisierung”, das Erlernen eines partnerschaftlichen Miteinanders zwischen verschiedenen Interaktionspartnern.

Friedemann Schulz von Thun

Durch die intensive Beschäftigung mit Alfred Adler Individualpsychologie und Ruth Cohns Themenzentrierter Interaktion vertiefte er das Verständnis für zwischenmenschliche Vorgänge. Aus der Integration von individualpsychologischen, humanistischen und systemischen Richtungen und seinen Kurserfahrungen entstand in den 1970ern das Kommunikationsquadrat. Erstmals 1977 publiziert, erschien es 1981 im Taschenbuch “Miteinander reden, Störungen und Klärungen”. Dieses wurde bis zu den 1990ern zum Standardwerk.

Das Kommunikationsquadrat

Das Kommunikationsquadrat geht von der Annahme aus, dass jede Äußerung nach vier Aspekten (Seiten) hin interpretiert werden kann – vom Sender der Äußerung wie auch vom Empfänger. Diese vier Seiten der Nachricht werden im Modell durch eine Quadratseite in einer eigenen Farbe repräsentiert:

  • Auf der Sachseite (blau) informiert der Sprechende über den Sachinhalt, d.h. über Daten und Fakten.
  • Die Selbstkundgabe (grün) umfasst das, was der Sprecher durch das Senden der Botschaft von sich zu erkennen gibt.
  • Auf der Beziehungsseite (gelb) kommt zum Ausdruck, wie der Sender zum Empfänger steht und was er von ihm hält.
  • Was der Sender beim Empfänger erreichen möchte, wird auf der Appellseite (rot) deutlich.

In der zwischenmenschlichen Kommunikation gibt es aber nicht nur denjenigen, der sich äußert – den Sender -, sondern gleichzeitig auch einen der zuhört – den Empfänger. Gleichwie der Sender mit „vier Schnäbeln“ spricht, hört der Empfänger mit „vier Ohren“. Die vier Seiten der gesendeten Nachricht, also das was der Sender mit einer Äußerung ausdrücken und/oder bewirken will, entsprechen oftmals nicht den vier Seiten, wie sie beim Empfänger interpretiert werden. Deshalb machen die ”vier Seiten einer Nachricht” zwischenmenschliche Kontakte spannend, aber auch spannungsreich und anfällig für Störungen. Dieses Modell lässt sich mit Einschränkungen erweitern auf allgemeine Kommunikationsvorgänge in der Gesellschaft. Diese umfassen dann beispielsweise auch sachnormgeladene Kommunikation zwischen Behörden oder Institutionen.

Stile, Werte und Persönlichkeitsentwicklung

Über die Verschiedenheit der Menschen publizierte Friedemann Schulz von Thun 1989 im 2. Band seiner Bücher. Miteinander Reden 2 erreichte inzwischen die 22. Auflage und befasst sich mit folgender Haupterkenntnis: “Die Menschen sind verschieden in der Art, wie sie mit anderen reden und den Kontakt zu ihnen gestalten. Was der eine zur Erweiterung seiner sozialen Kompetenz dringend braucht, hat vielleicht der andere schon viel zu viel.”

Davon ausgehend beschreibt SvT acht Kommunikationsstile (Stile der Kontakt- und Beziehungsgestaltung):

  • Der bedürftig-abhängige Stil
  • Der helfende Stil
  • Der selbst-lose Stil
  • Der aggressiv-entwertende Stil
  • Der sich beweisende Stil
  • Der bestimmende-kontrollierende Stil
  • Der sich distanzierende Stil
  • Der mitteilungsfreudig-dramatisierende Stil

Jeder dieser Stile hat seine kommunikative Eigenarten, seine Stärken, seine Ergänzungsbedürftigkeit (“Entwicklungsrichtung”) und seine Anfälligkeit für zwischenmenschliche Verstrickungen (“Teufelskreis”).

Modell Inneres Team

Der 3. Band (erschienen Ende 1998) beschreibt u.a., dass man oft “mehrere Seelen in der Brust” hat. Sie melden sich (mehr oder weniger vernehmlich) bevor, während und nachdem wir sprechen.

Friedemann Schulz von Thun nimmt das Beispiel einer fleißigen Studentin, von der sich ein wenig engagierter Mitstudent eine Mitschrift ausborgen will. Sie möchte nicht Nein sagen und schwankt dadurch emotional zwischen Ärger (“Er nutzt dich aus”) und Kollegialität (“Man muss sich gegenseitig helfen”). Dadurch entsteht ein innerer Zwiespalt. In seinem Modell nennt SvT solche inneren Anteile “Stimmen” oder “Mitglieder des Inneren Teams” . Es ist wichtig, jedes Innere Teammitglied zu würdigen, denn “innere Pluralität” ist menschlich und wertvoll. Doch je nach Ablauf der inneren Diskussionen, “je nachdem, wie sich das “innere Betriebsklima” gestaltet und ob eine gute Gesprächsleitung vorhanden ist, können wir über ein “Inneres Team” verfügen — oder aber unter einem ewig zerstrittenen Haufen leiden, mit nachteiligen Folgen auch für die Kommunikation nach außen.”

Literatur

  • Friedemann Schulz von Thun: Miteinander reden 1 – Störungen und Klärungen. Allgemeine Psychologie der Kommunikation. Rowohlt, Reinbek 1981
  • Friedemann Schulz von Thun: Miteinander reden 2 – Stile, Werte und Persönlichkeitsentwicklung. Differentielle Psychologie der Kommunikation. Rowohlt, Reinbek 1989
  • Friedemann Schulz von Thun: Miteinander reden 3 – Das ‘innere Team’ und situationsgerechte Kommunikation. Rowohlt, Reinbek 1998
  • Friedemann Schulz von Thun: Klarkommen mit sich selbst und anderen: Kommunikation und soziale Kompetenz. Reden, Aufsätze, Dialoge. Rowohlt, Reinbek 2004
  • Friedemann Schulz von Thun (Hrsg.), Johannes Ruppel, Roswitha Stratmann: Miteinander reden: Kommunikation für Führungskräfte. Rowohlt, Reinbek 2000/2003
  • Friedemann Schulz von Thun, Wibke Stegemann (Hrsg.): Das Innere Team in Aktion. Praktische Arbeit mit dem Modell. Rowohlt, Reinbek 2004

Weblinks

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Friedemann Schulz von Thun aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

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