Familienaufstellung | Organisationsaufstellung | Systemaufstellung
Suche

Loyalität

Loyalität [franz: “Treue”) bezeichnet die innere Verbundenheit und deren Ausdruck im Verhalten gegenüber einer Person, Gruppe oder Gemeinschaft. Loyalität bedeutet, die Werte des anderen zu teilen und zu vertreten, beziehungsweise diese auch dann zu vertreten, wenn man sie nicht vollumfänglich teilt. Loyalität ist immer freiwillig. Loyalität zeigt sich sowohl im Verhalten gegenüber demjenigen, dem man loyal verbunden ist, als auch Dritten gegenüber.

Loyalität und Loyalitätskonflikt

Problematisch wird Loyalität, wenn sie gefordert wird. Unterschiedliche Forderungen führen zu Loyalitätskonflikten. Beispielsweise wenn ein Arbeitnehmer sich dem Dienstherrn gegenüber loyal verhalten soll, obwohl er bestimmte Werte oder Ziele nicht teilt. Besonders häufig sind solche Konflikte anzutreffen in Tendenzbetrieben (Kirche, Staat, Rüstung). Schwerwiegend wird das beispielsweise bei Befehlsverweigerung in der Armee, oder früher bereits bei Kriegsdienstverweigerung.

Auch in Familien oder Clans wird vom Familienangehörigen dem Familienoberhaupt oder dem Clan gegenüber oft “Loyalität” gefordert. Das führt oft zu Gewissenskonflikten und zu Unterdrückung eigener Werte und Ziele. Die Treue zu sich selbst ist dann infrage gestellt.

Auch widersprüchliche Bindungen führen, hier über innere Verpflichtung, zu Loyalitätskonflikten. Beispielsweise wenn ein Kind, das ja durch seine Liebe sowohl mit seinem Vater, als auch mit seiner Mutter verbunden ist, in deren Streit über ihre Werte und Ziele verwickelt wird (Triangulation), wenn ein Mitarbeiter in verschiedenen Unternehmen tätig ist, die miteinander in Konkurrenz stehen, jemand Bürger mehrerer Staaten ist oder wenn jemand beispielsweise durch Heirat in einen fremden Kulturkreis kommt und jetzt sozusagen zwei verschiedenen Wertesystemen angehören soll.

Loyalität

Loyalität und Familienstellen

Eine Grundannahme im Familienstellen ist die, dass man als Mensch vor allem seinen Eltern und seinem Herkunftssystem (Vater, Mutter) gegenüber loyal ist. Bewusst oder unbewusst. Und wenn die Eltern Zum Beispiel keine gemeinsame Identität ausbilden, fehlt für die Kinder das sichere emotionale Fundament. Auf ihrer Suche nach Halt werden sie zwischen den Eltern hin und her gerissen und geraten laufend in Loyalitätskonflikte zwischen Vater und Mutter. Für die Kinder bedeutet dies eine enorme innere Anspannung und seelischen Stress. Sie fühlen sich bei ihren Eltern nicht richtig zu Hause und nicht wohl in ihrer Haut.

Diese Loyalitätskonflikte innerhalb seines Elternhauses werden umso stärker, je menhr sich Vater und Mutter auseinander gelebt haben und sich vielleicht vor, während und nach einer Trennung und/oder Scheidung bekriegen. Dadurch, dass die Kinder beide Eltern meistens gleich stark lieben bzw. beiden gegenüber gleich loyal sind, kommt es zu Konflikten im Kind. Diese Loyalität kann aber auch Ausgeklammerten aus dem Familiensystem gelten: Der ledig gebliebenen und betrogenen Großmutter, dem Onkel, der zu früh sterben musste, dem Großvater, der im Krieg blieb usw. In Familienaufstellungen zeigt sich oft, dass diese Loyalität zu den unglücklich und benachteiligt Ausgeklammerten ihres Systems ihnen oft unbewusst verbietet, dass ihr Leben gelingt oder dass eine Therapie erfolgreich anschlagen könnte.

Insa Sparrer und Matthias Varga von Kibéd bildeten hier den Begriff der “Transgenerationelle Solidarität” bzw. die Suche nach generationsübergreifenden Mustern: Viele Klienten haben Muster von Personen der vorherigen oder vorvorherigen Generationen übernommen. Diese Muster ergaben für die ursprünglichen Personen Sinn, nicht aber für diejenigen, die sie übernahmen. Brachte man jedoch die übernommenen Muster in Zusammenhang mit den ursprünglichen, so konnten sie aufgelöst werden. Diese Muster bezogen sich im Allgemeinen auf Personen, die von den Familien durch Verschweigen, Abwertung oder Vergessen ausgeschlossen worden waren. Für das Übernehmen der Muster wurde der Begriff der transgenerationellen Solidarität, durch die unsichtbare Loyalitäten entstehen. Beide betrachten leiderzeugende Verhaltensweisen so, als ob sie aus Solidarität entstanden sind, als unglücklicheren Ausdruck der Liebe zu diesen Personen.

Eine mögliche Frage kann sein: “Welchen guten Sinn machen diese Loyalitäten?” Meistens die unbewusste Liebe, die aber durch einen bewussten Ausdruck an Liebe ersetzt werden kann.

Weitere hilfreiche Fragen in diesem Kontext können sein:

  • Gibt es jemanden in meiner Familie, der ein ähnliches Problem hatte?
  • Taucht dieses Thema bereits bei jemandem in meiner Familie auf?

Wird eine dieser beiden Fragen bejaht, so kann vermutet werden, dass das Problem unmittelbar mit der Familiensituation zu tun hat und eine Loyalität das Problem zusätzlich aufrecht erhält.

Loyalität und Solidarität

Loyalität ist eher eine innere Selbst-Verpflichtung, Solidarität eher ein inneres Bedürfnis. Loyalität beschreibt eher die innere Haltung, Solidarität eher den äusseren Ausdruck. Die Übergänge sind fließend.

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Loyalität aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

Haben Sie Fragen und wollen einen Termin ausmachen? Rufen Sie mich an 08143 | 99 266 76 oder schicken Sie mir eine Mail. Ich freue mich auf Ihre Anregungen und Nachrichten! Bitte beachten: Die Formulare funktionieren nicht mit Yahoo & AOL-Mailadressen. Bitte senden Sie mir in diesem Fall eine Mail direkt an info[at]volkerhepp.com.