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Migration

Es gibt immer mehr Menschen, die ihr Heimatland freiwillig verlassen oder verlassen mussten und dadurch ein großes Stück ihrer Herkunft und Identität abgeben. In Familienaufstellungen erleben wir die Migration oder Flucht oft als Kriegsfolgen des Zweiten Weltkrieges aber auch in Form des Zuzugs wegen besserer Arbeits- und Lebensbedingungen. Viele Kinder der ersten Gastarbeitergeneration in Deutschland sind zum Beispiel in Deutschland geboren, ihre Eltern aber trotz freiwilliger Migration noch sehr stark mit ihrem Heimatland verwurzelt ohne hier je richtig angekommen zu sein.

All dies hat zur Folge, dass es bei vielen Kindern und Kindeskindern keinerlei Vorstellung über die Bedeutung von Migration, Flucht und Vertreibung und die damit verbundenen Traumatisierungen gibt, die in ihnen bis heute weiterwirken.

  • Verluste und/oder durch Gewalterlebnisse wie Vergewaltigung, Mord oder Folter
  • Der Verlust von Angehörigen durch Krankheit und Tod. Besonders traumatisch, wenn Mütter ihre Kinder auf der Flucht durch Hunger und Entkräftung verloren
  • Die Entwurzelung und der Verlust der Existenz. Dieser wirkt besonders schwer, wenn es Haus und/oder Hof gab oder ein selbständiges Handwerk, das oft über Generationen das Überleben sicherte und das gleichzeitig auch wesentlicher Bestandteil der Identität und des angesehenen Platzes in der Gemeinschaft war
  • Der Verlust von Status und Identität
  • Der Verlust des familiären Zusammenhalts
  • Keinen Platz finden – weder im Heimatland noch in der neuen Heimat
  • Ruhelosigkeit

Migration: Loyalitätskonflikt zwischen alter und neuer Heimat

Grundsätzlich beobachten wir, dass Migranten, Flüchtlinge, Vertriebene immer auch in ein größeres Schicksal eingebunden sind – sie sind mit ihrem ganz persönlichen Schicksal Teil einer größeren Bewegung ihrer Zeit! Sie gehen in die Fremde, in unbekanntes Land. Und andererseits assimilieren sich Migranten gewollt oder ungewollt mit zunehmender Dauer ihres Aufenthaltes im jeweiligen Land, das heißt, mit den Jahren wirkt auch die neue Nation mit ihrer Geschichte, Kultur und ihrem Habitus auf Teile ihrer Persönlichkeit prägend. Und dennoch sind und bleiben ihre Wurzeln in der ursprünglichen Heimat. Oft entsteht – vor allem bei Männern – eine Art Unsicherheit in der neuen Umgebung, sie sind nicht mehr “vollständig Mann”.

Migration

Und diese Dynamik innerhalb der Migration bringt sie auch in Gewissenskonflikte: Bert Hellinger beschreibt die Funktion des Gewissens als einen Trieb, der uns an die Gruppe bindet und der damit unserem Überleben dient. Gutes Gewissen heißt: Ich bin sicher, dazuzugehören. Schlechtes Gewissen heißt: Ich befürchte, die Zugehörigkeit zu verlieren. Migranten geraten also auch in einen Loyalitäts- und Gewissenskonflikt. Männer und Väter leiden offenbar mehr unter der Migration als Frauen und Mütter. Der Konflikt drückt sich dadurch aus, dass man sich nicht traut, die neue Heimat ganz zu nehmen, weil man Angst hat, dass man dadurch seine alte Heimat “verrät”. Das kann sich oft auch dadurch ausdrücken, dass vor allem die Elterngeneration in der neuen Heimat von dieser stark abgrenzt und ihre alten Gebräuche und Riten noch mehr zelebriert und/oder mit den Gedanken immer mehr in der alten Heimat hängt. Dies führt bei den Kindern zu starker Verunsicherung und oft auch zu Ärger und Wut.

Hilfreich ist es, nach einer Migration zum Beispiel anzuerkennen, dass es eine alte und eine neue Heimat gibt. Und vielleicht von der alten Heimat bewusst Abschied zu nehmen, ihr zu danken und sie zu würdigen, damit man mit “allen Schätzen der Herkunft” im neuen Land, in der neuen Heimat ankommen kann. Gleichfalls gibt es Mut und Kraft, der neuen Heimat für die Aufnahme zu danken, und auch die dortigen Möglichkeiten als Geschenke anzunehmen.

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