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Jay Haley

Jay Haley (* 19. Juli 1923 in Midwest, Wyoming, † 13. Februar 2007) war ein US-amerikanischer Psychiater und Psychotherapeut. Er war Schüler von Gregory Bateson und Milton H. Erickson, 1959 einer der Gründer des Mental Research Institute in Palo Alto und ab 1967 enger Mitarbeiter von Salvador Minuchin in Philadelphia. 1976 gründete er mit Cloe Madanes das Family Therapy Institute in Washington D.C.. Haley unterrichtete und beeinflußte mehrere Generationen von Psychotherapeuten und Familienberatern. Er gilt als “Pionier der strategischen Familientherapie” und vertrat einen direktiven Ansatz.

“Ziele dieser Therapie sind

a) Probleme zu lösen,
b) Ziele zu erreichen und
c) das Verhalten des Patienten zu verändern.

Die Probleme des Individuums müssen im Kontext seines sozialen Umfeld betrachtet werden. Die Betonung liegt nicht auf dem einzelnen Individuum selbst; Therapie sollte sich vielmehr darauf konzentrieren, durch Anpassung des sozialen Umfelds eine Veränderung zu erzielen. Alle Menschen eines sozialen Kontexts sind verantwortlich für die Probleme jedes einzelnen.”

Jay Haley: Palo Alto

Haley studierte Anfang der 1950er Jahre Kommunikationswissenschaft bei Gregory Bateson an der Stanford University und wurde von diesem zur Mitarbeit seinem Forschungsprojekt über die menschliche Kommunikation in Palo Alto eingeladen. Haley bliebt bis 1967 in dieser Kleinstadt im Silicon Valley, zuerest im sogenannten “Bateson-Project”, welches die Doppelbindungstheorie entwickelte und publizierte, ab 1959 als Mitgründer des Mental Research Institute, wo er weiterhin intensiv an der Schizophrenie-Forschung arbeitet und gemeinsam mit Richard Fisch, Lynn Hoffman, Don D. Jackson und John Weakland Theorie und Technik der Familientherapie begründete.

Jay Haley

Jay Haley wurde auch bekannt dafür, dass er mit Vertretern unterschiedlicher und im Widerspruch zueinander stehenden Schulen zusammenarbeite, einerseits mit Gregory Bateson und Vertretern der Systemische Therapie in Palo Alto, andererseits mit dem Hypnotherapeuten Milton Erickson oder dem Verhaltenstherapeuten Richard Stuart. Seine integrative und schulenübergreifende Sicht von Psychotherapie war vor allem von der Frage geprägt: “Was wirkt?” und hatte damals grossen Einfluss auf Forschung und Lehre. 1962 gründete Jay Haley die Zeitschrift “Family Process”, die sich zu einer der international führenden Fachzeitschriften über Familientherapie entwickelt hat.

Jay Haley: Philadephia

1967 ging Jay Haley an die Child Guidance Clinic in Philadelphia. Dort war Salvador Minuchin Direktor, der Begründer der strukturellen Familientherapie, der sich auf Psychosomatik, Anorexie und Diabetes mellitus spezialisiert hatte. Im Zentrum seines Therapieverständnisses standen Struktur, Subsysteme und Grenzen. Er benannte wiederkehrende Transaktionen innerhalb der Familie als “Muster”, aus denen eine Familienstruktur diagnostisch ablesbar wäre. Teilsysteme bezeichnete er als SDubstystem, zum Beispiel Vater/Sohn oder Großmutter/Enkeltochter. Jay Haley pflegte in seiner Zeit bei Minuchin mit diesem intensiven intellektuellen Austausch und er konnte – parallel zu Minuchin – seinen eigenen Ansatz erproben und ausformulieren. 1973 erschien sein Tribut an Milton H. Erickson unter dem Titel: “Uncommon Therapy.”. 1976 veröffentlichte Haley sein eigenes Resumee von zwanzig Jahren therapeutischer Arbeit mit Familien: “Problem-solving therapy.” Es führt eine direkte Linie von der Kurztherapie in Palo Alto über die Problemlösung in Philadelphie zur Lösungsfokussierung in Milwaukee, wo Insoo Kim Berg und Steve de Shazer 1978 ihr BFTC eröffneten.

1975 trat Minuchin als Direktor der Klinik zurück, er blieb noch sechs Jahre als Leiter des Ausbildungsinstituts. Auch Jay Haley suchte ein neues Betätigungsfeld.

Jay Haley: Washington

1976 gründete er – gemeinsam mit Cloe Madanes, seiner Frau – das “Family Therapy Institute” in Washington, D.C. Dort beschäftigte er sich – “Leaving home”, publiziert 1980 – mit den Ablösungsproblemen von Jugendlichen und entwickelte die Ordeal-Therapie: Der Therapeut schafft gezielt noch schlimmere Alternativen zu bestehenden problematischen Verhaltensweisen. Es besteht eine gewisse Nähe zur provokative Therapie von Frank Farrelly. Symptome entstünden – laut Haley – aus spezifischer Inkongruenz zwischen offenen und verdeckten Ebenen der Kommunikation mit anderen und sie dienen dazu, dem Individuum das Gefühl der Kontrolle in seinen Beziehungen zu geben. Daher sieht Jay Haley es als die vordringliche Aufgabe des Therapeuten an, den Patienten zur Übernahme von Verantwortung und zum Beziehen von Positionen zu bewegen.

Haley hat zwei wichtige Forderungen an die Familientherapie postuliert:

  • Bei der Einschätzung eines Problems ist die entsprechende Organisationssequenz zu berücksichtigen
  • Bei der Beobachtung von Veränderungen sind die jeweiligen Stadien zu beachten.

Haley war um die Klarstellung von hierarchischen Grenzen innerhalb des familiären Systems bemüht, “wohl auf die Gefahr hinweisend, dass Psychotherapeuten damit auch zur organisatorischen Abnormalität in familiären Abläufen beitragen können.” Die systemische Therapie verdankt Jay Haley zentrale Methoden, zum Beispiel paradoxe Interventionen, Ordeals und Hausaufgaben.

1995 ging Jay Haley in den Ruhestand und lebte und publizierte dann in La Jolla, Kalifornien. Seine Lehrtätigkeit – u.a. an vier US-amerikanischen Universitäten – setzte er ungebremst fort. Noch 2003 brachte er ein substantielles Buch heraus: “The art of strategic therapy.”

Deutschsprachige Publikationen

  • “Direktive Familientherapie”, 1977, München 1985, 3. Aufl.
  • “Gemeinsamer Nenner Interaktion”, 1977, München 1987, 2. Aufl.
  • Die Psychotherapie Milton H. Ericksons, 1978, München 1999, 5. Aufl.
  • “Ordeal-Therapie: ungewöhnliche Wege der Verhaltensänderung” Hamburg 1989, Salzhausen 1994
  • “Typisch Erickson, Muster seiner Arbeit”, Paderborn 1996
  • “Therapie lehren und lernen: Wie man sich bei einem Patienten entschuldigt, nachdem man ihm einen irreparablen Gehirnschaden zugefügt hat.” Paderborn 1999
  • “Die Jesus-Strategie : die Macht der Ohnmächtigen.” Heidelberg 2007, 3. Aufl.

Weblinks

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