erstellt am 26. Dezember 2011
Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir in einer Generation ADHS leben. Nicht nur die Kinder sind davon betroffen, sondern eigentlich vielmehr die Erwachsenen. Wenn ich 2-3 Tage der Woche unterwegs bin und auch öfters frühmorgends in einem Flugzeug sitze, dann wunder ich mich über diese ungebremste Energie, über den Tatendrang um 07 Uhr in der Früh, der es kaum aushält zu warten, bis die Anschnallzeichen erloschen sind.
Unruhe treibt an!
Übersetzt in meine Denkweise heisst das, dass sich viele Menschen über das eigene Tun wieder zur Ruhe bringen, sich selbst regulieren. Sie brauchen etwas von außen, um innerlich einigermaßen für sich erträglich zu werden. Aus diesem Grund sind sie unaufhörlich auf der äußeren Suche, voller unbewusster und natürlich nicht eingestandener Angst vor der Ruhe und dem, was kommt, wenn es draußen ruhig ist.
Da ich die Systemaufstellung gerne als eine Art Probehandeln sehe, ist sie ein gutes Medium, um zu schauen, was passiert, wenn es denn mal ruhig wird. Was denn dann die Stellvertreter sagen, wie man sich selbst so von außen sieht und wie man sich selbst fühlt, wenn man sich so von außen sieht. Und mit der Familie hat es auch ne Menge zu tun – Selbstregulation lernen wir von unserer Mutter. In erster Linie. Und wenn die uns das nicht vermitteln konnte, dann fehlt uns etwas. Zeit, dieses Etwas wieder für sich zu entdecken und zu lernen….
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erstellt am 14. Dezember 2011
Wenn man manche Familien so von außen betrachtet, dann braucht man keine Feinde mehr, die eigene Familie reicht vollkommen aus, um das Leben nuancenreich und spannend zu machen. Das Ganze wird dann noch verschärft, wenn Geld und Besitz vorhanden sind, um die es sich zu streiten lohnt. Und manchmal geht es um Bevorzugung in früheren Jahren durch die Eltern, um Neid in der Geschwisterreihe, aber auch darum, dass es die Eltern versäumt haben oder immer noch versäumen, ein klares Wort zu sprechen.
Das Ende eines Spiels
Das Ende des Spiels kann sein, dass sich einer oder mehrere der Spielteilnehmer dazu entscheiden, das Spiel nicht mehr mitzumachen. Sie steigen aus. Hören auf, ziehen sich zurück. Oder – sie lassen die bisher gezeigte Rücksichtnahme fallen und stehen zu dem, was ihnen zusteht. Jeder Schritt, der die bisherige Spielanordnung verändert, ist dabei ein guter Schritt, der gegangen werden kann. Und bei jeder Veränderung kann auch darauf geachtet werden, ob sich wirklich was verändert, ob es auf das zugestrebte Ziel zugeht oder nicht.
Und – wenn Schritte keine Wirkung haben, dann sind sie vielleicht derzeit nicht die richtigen Schritte. Ein Wissenschaftler macht ein und diesselbe Versuchanordnung auch nur maximal zwei Mal. Dann ändert er sie. Vielleicht ist auch das eine Möglichkeit zu einem Ergebnis zu kommen….
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erstellt am 6. Dezember 2011
Patchwork-Familien gibt es ja immer mehr und sind an sich nichts Besonderes mehr. Sofern es keine Probleme mit dem Zusammenwachsen der beiden Familienteile gibt. Und meistens gibt es die, die Kinder wissen nicht so richtig, zu wem sie gehören, wer sich um sie kümmert. Und der Drang zum “richtigen, aber fehlenden” Elternteil ist unbewusst immer vorhanden. Da muss auch keine Heile Welt gespielt werden, das ist einfach so. Viele Paare verwechseln das dann und denken, dass sie nun die neue Familie sind – und bekommen gar nicht die unbewusste Treue zum anderen Elternteil in den Kindern mit.
Ich anerkenne, dass ich nicht dein Vater/deine Mutter bin …
Diese Haltung ist ein guter Einstieg und eine Rückkehr zur Faktenlage. In Familienaufstellungen erlebe ich da auch immer öfters, dass die Kinder rumeiern, genausop wie die Erwachsenen rumeiern und sich nicht trauen das auszusprechen. Und ich erlebe die wohltuende Ruhe, wenn dieser Satz mal draußen ist. Und auf Basis dieser Fakten kann dann damit begonnen werden, zwischen den beiden Erwachsenen verbindliche Absprachen auszuhandeln: Wie wollen wir die Kinder behandeln? Wie stärken wir uns gegenseitig? Wie verhindern wir, dass wir auseinanderdividiert werden?
Dazu gehören auch Gespräche über eventuelle schlechte Gewissen, den beide vielleicht noch gegenüber den vorherigen Partnern haben und die einem kraftvollen Handeln im neuen Familiensetting im Weg stehen.
Wenn die beiden Erwachsenen miteinander und für sich klar sind, dann kehrt nochmals zusätzliche Ruhe ein. So etwas nennt sich dann Entspannung eines Familiensystems…
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erstellt am 29. November 2011
Manchmal gibt es sehr schnelle, kurze und prägnante Systemaufstellungen, zu denen eigentlich kaum was zu sagen ist: Eine Frau ist von ihrem Mann getrennt, beide kommen aber nicht voneinander los – Nähe und Vertrautheit als Gegenpol zur Autonomie und Trennung. Gleichzeitig passiert in der Familie der Frau noch sehr viel, sie kommt kaum zur Ruhe. In einem solchen Fall – Fragestellung war in Richtung Beziehung zum Mann – habe ich eine sehr eingegrenzte Aufstellung gewählt und nur sie und ihren Mann aufgestellt.
Manche Systemaufstellungen passieren in wenigen Sekunden bis Minuten
Die beiden werden auseinander aufgestellt, gehen in ihre Rollen und bekommen die Erlaubnis, sich zu bewegen. Beide bewegen sich aufeinander zu, er legt seinen Arm um ihre Schulte, sie lehnt den Kopf an seine Schulter, atmet tief durch und weint. So habe ich das dann auch gelassen – es gibt nichts mehr zu tun, weder in der Aufstellung noch im realen Leben. Und manchmal ist es gut, seinen Kopf nicht so ernst zu nehmen, sondern dem zu folgend, was meistens unterhalb des Halses etwas zu sagen hat…..
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erstellt am 23. November 2011
Vielleicht kennen Sie das – eigentlich sollten Sie etwas tun und Sie machen auch immer wieder Anläufe und raffen sich auf. Doch irgendwie verpufft Ihre Energie nach den ersten zwei Schritten, dass Sie aufhören und Ihr Vorhaben abbrechen. Oder Sie werden immer phlegmatischer, haben zu nichts mehr Lust, haben sprichwörtlich Ihren Drive verloren. Und vielleicht können Sie das an einem bestimmten Datum festmachen; oder es ist ein schleichender Prozess, dessen Ergebnis Sie jetzt gerade präsentiert bekommen.
Eine Systemaufstellung kann auch durchaus abstrakter sein!
In einem solchen Fall das Familiensystem aufzustellen wäre ziemlich im Nebel herumzustochern. Oftmals ist es da wesentlich wirksamer, auf eine abstraktere Ebene zu gehen und vielleicht den Fragenden und die zwei Pole in den Raum zu stellen: Also in diesem Fall Stellvertreter für mich, für das, was mich antreibt und das, was mich davon abhält. Und dann schauen, wie sich das Bild verändert. Und manchmal kann es auch gut sein, gleich zu Anfang auch noch einen “Joker” zu wählen, also das, was vielleicht die unbekannte Variable ist.
Aber – sollte es eine Unbekannte geben, dann wird die sich eh zeigen in der Aufstellung. Soviel meine Hypothese, die durch viele Aufstellungen mittlerweile untermauert ist…..
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erstellt am 15. November 2011
“Ich lebe seit drei Jahren alleine” oder “Ich kann keinen geeigneten Partner für mich finden” sind auch fast Klassiker bei den Systemaufstellungen. Und meistens gibt es eine Vorgeschichte mit nicht so optimal gelaufenen Partnerschaften, mit einer vielleicht schlecht vorgelebten Partnerschaft durch die Eltern und – was sehr oft dahinter steckt ist eine mangelnde Vertrauens-Fähigkeit derjenigen, die jetzt seit längerem alleine leben.
Jede Beziehung braucht Vertrauen.
Und – sollte mangelndes Vertrauen der Haupt-Hinderungsgrund bei einer neuen Partnerschaft sein, dann lohnt sich in einer Familienaufstellung der Blick auf das Ursprungssystem. Warum? Die Basis für Vertrauen und Selbstvertrauen wird schon sehr früh gelegt im Leben. Meistens innerhalb der ersten Lebensjahre und meistens in der Interaktion mit der eigenen Mutter. Und hier kann eine Familienaufstellung für zusätzliche Aufklärung sorgen, warum diese Interaktion zwischen Mutter – Kind nicht für die notwendigen Vertrauensgrundsteine im Leben gereicht haben.
Und aus der Erkenntnis heraus kann es dann Schritte weiter gehen – in das Vertrauen in sich und ins Leben. Und damit auch in andere Menschen….
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erstellt am 8. November 2011
Nicht selten ist bei Familienaufstellungen nicht nur das Elternthema, sondern auch der Umgang der Geschwister untereinander das beherrschende Thema. Meist auch deshalb, da die Geschwister noch der überlebende Teil der Familie sind. Da gibt es verfeindete Lager, da dominieren Einzelne den Rest und oft ist es so, dass die Situation festgefahren und irgendwie schockartig erstarrt ist. Wenn dann im Vorgespräch oder während der Familienaufstellung die Frage gestellt wird, warum eigentlich nicht gehandelt wird, dann heisst es meistens “Das ist doch meine Schwester oder mein Bruder”. Der Status Quo bleibt bestehen.
Geschwister sind auch nur Menschen!
Genau. Zwar haben wir Mutter und manchmal auch den Vater mit ihnen gemein. Aber, das war es auch schon. Im Prinzip kein Grund, warum hier andere Schmerzgrenzen, andere Leidensgrenzen und Gesetze gelten sollten, wie bei nicht verwandten Menschen. Eine Hypothese von mir ist, dass in solchen hilflosen Momenten eher das Kind in uns agiert, als der Erwachsene. Und zwar das Kind aus dem Glauben heraus, dass es alleine nicht bestehen kann, wenn es sich innerhalb der Familie zur Wehr setzt.
Und – wenn Sie eine solche Reaktion bei sich bemerken im Umgang mit Ihren Geschwistern. Dann halten Sie eine Minute still. Und horchen in sich hinein. Wer ist denn nun für die Reaktion zuständig? Sind Sie es im erwachsenen Zustand oder agiert da jemand aus einem sehr viel früheren Zustand heraus? Und dann achten Sie auf den Unterschied, den diese Erkenntnis bei Ihnen auslöst.
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erstellt am 2. November 2011
Vielleicht eines ganz vorneweg, wenn wir uns der Thematik Gesundheit und Systemaufstellungen nähern: Ich schätze es, wenn meine Kunden, die zu mir in einen Aufstellungssamstag oder in eine Einzelsitzung kommen, vorab ihre gesundheitliche Thematik medizinisch sauber abgeklärt haben. Denn manchmal ist Schulmedizin durch nichts zu ersetzen außer durch Schulmedizin.
Eingrenzen, um was es geht
Wenn das passiert ist, dann können wir gemeinsam die gesundheitlichen Symptome eingrenzen, auch vom Datum her. Und viele Krankheiten haben mit Stress und körperlicher Anspannung zu tun. Körperzellen ändern sich eh. Und sie ändern sich auf andere Art und Weise, wenn sie nicht mehr ihrem natürlichen Rhythmus von Anspannung und Entspannung folgen können. Und mit dieser Iteration nähern wir uns dann langsam dem, was mit Auslöser der heutigen Symptome sein kann.
Um es dann vielleicht mit dem Familiensystem oder dem erweiterten System, in dem wir leben, in Zusammenhang zu bringen. Um dann zu schauen, was denn vielleicht dazu kommen müsste, damit sich da etwas beruhigen, entspannen kann. Damit der normale Fluss des Lebens wieder in Gang kommt. Und oft ist hier die Externalisierung der eigenen Bilder und Vorstellungen mit einer Systemaufstellung hilfreich. Damit Stellvertreter einem sagen, wie es ihnen gerade geht, was sie brauchen und wohin es sie warum zieht….
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erstellt am 25. Oktober 2011
Oftmals erlebe ich es in und nach einer Familienaufstellung, dass entweder der Fragesteller und/oder die Stellvertreter wissen wollen, ob die Aufstellung nun in die “richtige” Richutng ging, gut oder schlecht, nützlich oder nicht nützlich war. Ich gebe an dieser Stelle die Fragen gerne wieder zurück. Denn nur diejenigen, die mit einer Frage kamen und aufgestellt haben, können beurteilen, ob das, was in ihrer Aufstellung passiert ist, für sie nützlich und hilfreich war. Jede Interpretation von außen geht hier am Ziel vorbei. Der Kunde, der mit einer Frage kommt, bestimmt immer über seine Aufstellung. Und er sollte sich auch von niemandem in seine eigene Wahrnehmung reinreden lassen.
Auch das nachher ist mittendrin
Und vielleicht ist ja auch schon das Bleiben bei seiner eigenen Wahrnehmung ein wichtiger Schritt zum sich selbst mehr vertrauen. Und sich aus der Kindheit zu lösen, wo es meistens die anderen waren, die immer alles besser gewusst haben. Und vielleicht noch heute versuchen zu suggerieren, dass sie es immer noch besser wissen. Aus diesem Grund ist es mir wichtig, dass nur der Kunde hier entscheidet und nur seine Wahrnehmung zählt. Das gibt ihm Handlungsfähigkeit und macht ihn irgendwie erwachsenere…..
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erstellt am 18. Oktober 2011
Familienaufstellung und Systemaufstellungen bilden äußere und innere Beziehungsprozesse ab. Und machen Dinge sichtbar, die vielleicht sonst nicht in diesen Zusammenhängen gesehen werden. Gemäß dem Axiom von Paul Watzlawick “Man kann nicht nicht kommunizieren” werden Beziehungs- und Kommunikationsmuster sicht- und erlebbar. Wie im Fernsehsessel kann man sich das anschauen, quasi aus der Vogelperspektive. Wohltuend – weil es einen zwar angeht, man aber nicht mittendrinsteckt.
Alles ist miteinander verbunden
Auch dieser Satz hat Gültigkeit: Ich reagiere auf X und Y reagiert auf mich. Und wenn ich anders reagiere, besteht die Möglichkeit und Wahrscheinlichkeit, dass auch X und Y anders reagieren werden. Familien- und Systemaufstellungen sind auch sehr gut, um neues Handeln einzuüben oder mittels Probehandeln zu schauen, was sich ändert, wenn ich mich ändert. Familienaufstellungen zeigen aber keine Absolutheiten, weil es im Leben keine Absolutheiten gibt, es sei denn das Leben und der Tod an sich als absolut feste Bezugsgrößen.
Insofern sind Familienaufstellung und auch Systemaufstellungen Ausflüge aus dem Alltag mit einem direkten Bezug zum Alltag. Sie laden zum Perspektivenwechsel ein und sind an sich schon Perspektivenwechsel – schon dann, wenn ich mich zu einer Familienaufstellung oder Systemaufstellung anmelde….
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