Etwas annehmen können

Vielfach erlebe  ich es, wenn Menschen mit ihrem Thema zu uns in die Systemaufstellungen kommen, dass sie sehr nervös und aufgeregt sind. Und dass sich diese Nervosität auch oft noch im Laufe des Tages steigert, wenn sie als Stellvertreter ihr ureigenes Thema immer wieder berühren. Ein Phänomen, das oft vorkommt. Eine lange Zeit ging es in der Aufstellungsszene darum, diese Anspannung noch zu vergrößern, bis zum höchsten Punkt der Erregung und Aufregung, bevor überhaupt mit der Aufstellung begonnen wurde.

Aufregung ist wie Scheuklappen

Doch was passiert, wenn ein sehr erregter Mensch etwas beobachtet – meistens ist er gar nicht richtig da. Sein Nervensystem ist entweder übererregt oder schon so weit hochgedreht, dass die Aufregung schon wieder in die Schockstarre umgeschlagen hat. In beiden Fällen ist die Wahrnehmung extrem eingeschränkt, die Atmung ist flach, das Atmen wird oft vergessen und der Blick ist starr irgendwo hin gerichtet, nur nicht auf das, um was es gerade geht. Ich denke, Sie kennen solche Momente.

Und dann ist dei Aufstellung wie im Fluge vorbei und der Mitnahmeeffekt ist tendenziell Null. Da nützen auch die Sprüche “dass es so oder so wirkt” relativ wenig, ein schales Gefühl bleibt. Ich habe es mir aus diesem Grund zur Angewohnheit gemacht, das System Mensch erst einmal in einen arbeits- und zuhörfähigen Zustand zu versetzen, auch wenn das mal 15, mal 20 Minuten dauert. Und auch während der Aufstellung darauf zu achten, dass dieser Zustand beibehalten wird – damit von der Aufstellung maximal viel miterlebt und mitgenommen werden kann.

Eine Bitte, ein Tipp: Achten Sie – egal zu wem Sie gehen – auf Ihren Erregungslevel und bitten Sie die KursleiterInnen, Ihnen zu helfen, von einer Übererregung runter oder aus einer Schockstarre raus zu kommen, bevor aufgestellt wird.

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Autor: Volker Hepp, erstellt am 1. September 2010, 0 Kommentare

Lieb Kind sein?

Sehr oft haben Kinder gegenüber ihren Eltern die Tendenz, es ihnen Recht machen zu wollen. Nur nicht auffallen, lieb sein, pflegeleicht, nicht zu sehr in die eigene Expansion gehen, wenn die Eltern nach einem anstrengenden Arbeitstag oder generell ihre Ruhe haben möchten. Oder mit der Lebendigkeit der eigenen Kinder nicht zurecht kommen. Meistens auch nicht mit der eigenen Lebendigkeit. Kinder haben in solchen Momenten die Angewohnheit, sich selbst sehr schnell und sehr effizient anzupassen.

Lächeln muss nicht immer Freundlichkeit bedeuten

Und ein einfaches Anpassungsinstrument ist, zu all dem, was einem auf der Lebens-Bühne geboten wird, eine gute Miene zu machen, ein Lächeln aufzusetzen und alles andere entweder runterzuschlucken oder – Abspaltung sei Dank – gar nicht mehr zu spüren. Und wenn es dann später um sie selbst geht, dann fällt es ihnen schwer, sich zu entscheiden. Sich für sich und die eigenen Bedürfnisse zu entscheiden. Weil

  • oft die eigenen Bedürfnisse nicht erkannt werden
  • weil eine Entscheidung gegen die Eltern “Verrat” bedeutet
  • weil eine Entscheidung für sich “mit schlechtem Gewissen” verbunden ist

Und so drehen sie sich oft im Kreis. Heute mal so, morgen so. Und sind oft abhängig von den Launen der anderen, ist ja früh gelernt. Ein möglicher Weg, der auch über die Aufstellungsarbeit visualisiert werden kann, ist das “Sowohl als auch”, d.h. ich muss mich nicht mit schlechtem Gewissen abgrenzen, sondenr ich kann beides haben – Verbundenheit zu meinem Ursystem und gleichzeitig die erwachsene und notwendige Autonomie.

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Autor: Volker Hepp, erstellt am 28. August 2010, 0 Kommentare

Nachschlagen

Wer etwas tiefer in Systemisches Denken, Systemaufstellungen und systemisches Forschen eintauchen möchte, dem seien zum einen mein Lexikon der Systemaufstellungen, aber auch die Webseite der Systemischen Gesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für systemische Therapie und Familientherapie empfohlen, auf der Sie sich mit einem Newsletter zum Thema Systemisches Forschen aktuell halten können.

Auf allen genannten Infoseiten erhalten Sie in regelmässigen Abständen wertvolle Informationen, haben Nachschlagemöglichkeit und überall besteht auch die Möglichkeit der Diskussion bzw. der Teilnahme an einem Diskussionsforum. Zusammen mit meiner Kollegin Karin Intveen betreibe ich selbst auf XING ein geschlossenes Forum zum Thema Systemaufstellungen, wenn Sie daran Interesse haben – hier ist der Einladungslink.

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Autor: Volker Hepp, erstellt am 24. August 2010, 0 Kommentare

Erwachsener Umgang

In einer der letzten Systemaufstellungs-Wochenenden waren auch zwei Pärchen dabei, die innerhalb ihrer Beziehungen Probleme hatten und die gemeinsam schauen wollten, woran es denn liegt, dass hier immer wieder Probleme hochkochen. Und zwar nicht zusammen auf die Beziehung schauen, sondern jeder für sich in Form einer eigenen Systemaufstellung auf den eigenen Teil zu schauen, den man so in der Beziehung beiträgt.

Jeder für sich auf dem Weg zum Paar

Sehr erwachsen. Weg vom Fingerzeig auf den anderen, hin zum Blick auf die eigene Nasenspitze. Und es war schön zu beobachten, wie der jeweils andere Partner an der Aufstellung des anderen teilnahm, mitlitt und manchmal auch ein anderes Bild vom Partner bekam. Auch nach Jahren des Zusammenseins. Und so ist dann Weiterentwicklung möglich – jeder für sich und zusammen in der Beziehung. Viele glauben, dass man erst die Beziehung weiterentwickeln muss, oder sich nur einer der Partner entwickeln muss, damit es weitergeht. Aber – die Wahrheit – es geht nur, wenn beide bereit sind, ihre Schritte zu machen. Jeder für sich für eine Zukunft als Paar.

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Autor: Volker Hepp, erstellt am 20. August 2010, 0 Kommentare

Abgrenzen

Eine sehr wichtige Phase im Leben eines Heranwachsenden ist seine Pubertät. Hier sollte er sich von seinem Elternhaus lösen, man testet seine Grenzen aus, entwickelt eigene Werte und Wertvorstellungen. Grundlage dafür ist, dass das Kind mit 2 1/2 bis 6 Jahren gelernt hat, auch Nein zu sagen, ohne dafür in enge Schranken gelegt worden zu sein, ohne dass sein Wille in dieser Phase durch seine Eltern gebrochen wurde.

In der Pubertät braucht der Jugendliche klare, aber nicht zu enge Grenzen, damit es sein Selbst gut herausbilden kann. Laurence Steinberg, ein Professor für Entwicklungspsychologie unterscheidet dabei 3 Phasen der Teenagerentwicklung:

  1. Frühe Adoleszenz mit erhöhter emotionaler Erregbarkeit, Suche nach Anregung und Belohnung
  2. Mittlere Adoleszenz mit größerer Risikobereitschaft, geschwächte Gefühls- und Verhaltenskontrolle
  3. Späte Adoleszenz mit einer Reifung des Frontalhirns und einer verbesserten Selbstregulation

Und bei vielen Menschen verlief dieser Reifungsprozess nicht schlackenfrei. Meistens haben die Schlacken etwas mit Abgrenzung, Nein sagen und durchsetzen und mit Scham/Beschämung zu tun. Ideale Themen für eine nachträgliche Korrektur und ein nachträgliches Wachstum anhand einer Familienaufstellung und/oder eben in Einzelarbeit. Lernen Sie kraftvoll Nein zu sagen, ohne sich dafür zu schämen :-)

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Autor: Volker Hepp, erstellt am 16. August 2010, 0 Kommentare

Warum ich?

Auch das ist ein Phänomen, das ich immer wieder in – meistens – Familienaufstellungen erlebe. Den Teilnehmern ist Schlimmes wiederfahren, sie sind verletzt und missbraucht worden und leiden darunter. Und oft kommt dabei dann die Frage hoch “Warum gerade ich”?. Und bei vielen Menschen beginnt dann ein Suchprozess nach dem auslösenden Moment – und sie finden viele Möglichkeiten: Shit happens, Karma, Verstrickung, böse Taten der Ahnen und so weiter. Und sie suchen und suchen und versuchen das dann über eine Familienaufstellung zu lösen.

Und wo bitteschön ist der Pragmatismus?

Mir persönlich gefällt der Ansatz eines meiner Lehrer – Larry Heller – besser, der schreibt:

“Wir sind physische Wesen auf einem physischen Planeten und deshalb physisch verletzbar. Wir haben einen Körper, einen Geist, eine Seele und Emotionen, die verletzt werden können. Wir alle haben Schicksalsschläge erlebt, mit denen wir fertig werden müssen und von denen wir uns erholen oder gar geheilt werden wollen.”

Der Ansatz ist wunderbar pragmatisch und erlaubt es in 100% der Fälle, sofort loszulegen mit der Arbeit ohne Rückgriffe auf andere oder vergangene Zeiten zu machen.

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Autor: Volker Hepp, erstellt am 12. August 2010, 0 Kommentare

Aufstellungen vs. Karma

Manchmal höre ich so Sätze wie “Das ist eben mein Karma” oder “Mal schauen, wo die karmische Verstrickung” ist von Teilnehmern unserer Seminare. Ich schaue dann meistens verwundert auf meine Hände, die keine Löcher haben und auf die fehlende Glaskugel. Verdammt – schon wieder vergessen! Und dennoch stellt sich die Frage, wer oder was verantwortlich ist, wenn uns etwas Gutes oder etwas Schlechtes widerfährt. Wir – als sinnsuchende und sinngebende Wesen – betreiben dann Attribution, d.h. wir schreiben Dingen eine Ursache zu und machen uns “magische Gedanken” wie Kinder, die damals dachten, dass wenn sie nur genügend brav wären, die Eltern zusammenblieben.

Gibt es denn so etwas wie ein Karma?

Das hat meistens schon damals nicht geklappt. Auch die Nummer mit dem “unsichtbar machen”, damit man die Wut eines Elternteils nicht abkriegt war nur bedingt wirksam. Und – das Leben ist keine Excel-Zelle. Deshalb ist es immer gut, wenn schon Verantwortliche gesucht werden, zuerst einmal bei sich selbst zu beginnen. Was kann ich tun oder nicht tun, damit X passiert oder nicht passiert. Wo habe ich mich nicht entschieden (und damit entschieden, mich nicht zu entscheiden)?

Und – wieder einmal die Ressourcen – was brauche ich, damit ich wieder ganz auf meinem Lebens-Fahrersitz Platz nehmen kann? Pragmatische Fragestellungen und meistens auch sehr pragmatische Antworten, damit Sie es jederzeit schaffen, die Verantwortung für sich voll und ganz zu übernehmen. Und – meine Erfahrung ist die, dass es ein unendlich tolles Gefühl ist, so selbst-verantwortlich durch das Leben zu gehen.

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Autor: Volker Hepp, erstellt am 8. August 2010, 0 Kommentare

Sein inneres Kind kräftigen

Kinder brauchen, um stark zu werden – die Psychologie spricht hier von Resilienz – ein Gegenüber, das ihnen zeigt, wie sie ihre Emotionen regulieren können. Meistens ist das die Mutter als primäre Bezugsperson. Und später brauchen Sie Geschichten, die davon erzählen, wie Probleme angegangen und bewältigt werden. So lernen sie für ihr eigenes Leben, bilden ein Selbstwertgefühl aus dem Wissen heraus, dass sie anstehende Aufgaben und Probleme sehr wohl meistern können. Das natürlich gepaart mit einer als sicher empfundenen Bindung sowie Anerkennung und Wertschätzung für das “junge Menschsein”.

Die Hirnforschung sagt: Es ist nie zu spät!

Und was ist mit denen, die diese Hilfestellung im Elternhaus nicht hatten? Die Hirnforschung sagt, dass es nie zu spät ist, neue Erfahrungen zu machen und damit auch neue Nervenbahnenverknüpfungen anzulegen. Und damit dann auch die Verantwortung dafür zu übernehmen, wie es einem geht und wie es mit einem weitergeht im eigenen Leben. Und öfters muss man sich diese Entwicklungsmöglichkeit von außen anschauen, wie in einem Fernsehfilm, in dem das eigene Leben abläuft, um daraus lernen zu können. Einen Lehr- und Lernfilm also anschauen. Und was ist eine Systemaufstellung anderes als ein Lehr- und Lernfilm? Damit das innere Kind sehen kann, was es braucht und woher es es bekommt, um immer kräftiger zu werden….

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Autor: Volker Hepp, erstellt am 4. August 2010, 0 Kommentare

So tun als ob

Vielleicht anschließend an den letzten Artikel besteht in Systemaufstellungen natürlich jederzeit auch die Möglichkeit zu einem Probehandeln. Das bedeutet, ausgestattet mit seinen Ressourcen in einem bestimmten Umfeld, zu einer bestimmten Frage, einer Entscheidung zu schauen, welcher Weg derzeit der bestmögliche ist.

Vor jeder Entscheidung ist Angst im System

Denn vor jeder Entscheidung in eine neue Richtung steckt meistens ersteinmal Angst im System. Angst vor dem Verlassen des Bekannten und Gewohnten, die sprichwörtliche Krise, wenn man sein gewohntes Umfeld schon verlassen hat oder verlassen wurde.

Und natürlich auch die Angst vor dem Neuland, das vor einem liegt. Und genau diese Angst vor dem Neuland kann in einer Art Probehandeln in Form einer Aufstellung angeschaut und natürlich körperlich erlebt werden. So kann man als Fragesteller schauen, was ich in der jetzigen Situation noch verstehen muss um mehr Sicherheit für mein Handeln zu bekommen, was ich brauche, um sie zu meistern (Machbarkeit) und wie bedeutsam die Situation für mich und mein Leben ist.

Ich persönlich liebe diese kleinen Aufstellungen, die sich um eine persönliche Fragestellung ranken, die auch gerne verdeckt durchgeführt werden können. Und die immer wieder AHA-Momente in ihrer Auflösung mit sich bringen.

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Autor: Volker Hepp, erstellt am 30. Juli 2010, 0 Kommentare

Lösungsbild vs. lösungsorientiert

Es gibt viele KollegInnen in Familienaufstellungen, die eine Aufstellung “zu einer guten Lösung” führen. Da ich meistens nicht weiss, was genau für einen Menschen “gut” oder “schlecht” ist, versuche ich in Familienaufstellungen oft so etwas ähnliches wie Szenen-Skulpturen im Sinne einer Virgina Satir zu stellen und dann zu schauen, welche Ressourcen benötigt werden, um für sich eine bessere Position zu bekommen.

Ein Beispiel: Eine junge Frau hat Probleme mit der Mutter und auch darin, erwachsen und selbständig zu werden. Also kann man Mutter und Tochter gegenüberstellen, so wie “im wirklichen Leben” und dann danach schauen, was dem Stellvertreter der Tochter fehlt, um sich abzugrenzen und gegebenenfalls “Nein” zu sagen. Welche Ressourcen wären hilfreich, welche müssen “erfunden” werden und welche gibt es bereits im Leben und sind vielleicht etwas in Vergessenheit geraten.

Welche Ressourcen brauche ich zu einem guten Leben?

Vorteil bei dieser Vorgehensweise: Ich kann mich durch meine Ressourcen stärken und bin nicht auf eine Veränderung meines Gegenübers angewiesen. Denn oft ist bei den eigenen Eltern aufgrund ihrer Biografie sprichwörtlich nichts zu holen – Tankstelle geschlossen. Und da helfen die vielen Ressourcen weiter, die ma so im Leben immer wieder erfährt und kennenlernt. Und welche Ressourcen haben Ihnen bisher immer wieder weitergeholfen?

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Autor: Volker Hepp, erstellt am 26. Juli 2010, 0 Kommentare