erstellt am 3. Februar 2012
Auch Lebensangst ist öfters ein Thema bei Systemaufstellungen, als man gemeinhein denkt. Der klassische Weg der Familienaufstellung in einem solchen Fall wäre in Richtung der Eltern und/oder Großeltern zu schauen. Das ist dann die rückwärtige Betrachtung. Mir selbst ist immer die Gegenwart wichtiger. Und wo Angst vor dem Leben ist, da gibt es meistens auch einen sicheren, gewohnten Ort, an den man sich zurückzieht.
Pendeln schafft Ausdehnung des eigenen Handelns.
Ein besonderes Format besteht aus dem langsamen Pendeln zwischen den beiden Polen. In diesem Fall den bisherigen sicheren Ort, auf der anderen Seite das Leben. Was weiter hilft ist, wenn man von einer guten Kraft (= Ressource) begleitet wird. Oder man hat zwei davon. Und dann pendelt der Teilnehmer in seiner Geschwindigkeit zwischen den Polen, mit einem Abstand, der für ihn angenehm ist.
Meine Beobachtung: Das System dehnt sich langsam und nachhaltig aus. Die Schritte werden mutiger, das Gewohnte bald nicht mehr so interessant. Das Neue interessanter und selbstverständlicher. Versuchen Sie es mal selbst!
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erstellt am 26. Januar 2012
Helfen ist meistens schöner, als geholfen zu bekommen. Geben ist ja bekanntlich auch seliger als nehmen. Und manche Menschen haben hier eine Art Weltmeisterschaft im Helfen entwickelt, sie riechen förmlich, wo sie überall etwas für andere tun können. Und manchmal so viel, dass es für andere Menschen schon wieder zu viel wird. Und was kann man damit in einer Systemaufstellung tun? Aktives Helfen ist manchmal ein gutes Mittel, um sich andere vom Leib zu halten, um selbst nichts empfangen zu müssen, was einen vielleicht ein bißchen näher berühren könnte.
Aushalten lernen.
Und manchmal kann es schon hilfreich sein, in einer Systemaufstellung das Nicht-sofort-helfen ein bißchen aushalten zu lernen. Feedback zu bekommen, wie es ist, mal nichts zu tun. Sich auf sich selbst zu konzentrieren, wie es einem damit geht, nichts zu tun. Und von außen zuzuschauen, wie das bisher gezeigte eigene Verhalten auf andere wirkt. Und vielleicht dem eigenen Stellvertreter zu schaffen macht. Wie im Kino. Lernkino.
Und manchmal lohnt es sich, sich nur auf die Gegenwart zu konzentrieren, auf das aktuell gezeigte Verhalten. Ohne in der Vergangenheit nach dem Warum zu fragen. Weil – es geht nur um die Gegenwart. Um nichts anderes. Und um das, was das gegenwärtige Erleben leichter macht.
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erstellt am 18. Januar 2012
In den Systemaufstellungen kommen auch gerne gesundheitliche Themen hoch, die medizinisch abgeklärt sind – meistens ohne Befund. Ich spreche dann von einer Symptomaufstellung. Und das stresst verständlicherweise die Menschen. Wenn immer mal eine gesundheitliche Beeinträchtigung da ist, die nicht erklärbar gemacht wird. Oft geht es dabei um Schwindel, um Schwächeanfälle, die einen buchstäblich von den Füßen holen und immer wieder zur Ruhe zwingen. Mir ist – vor einer Zusammenarbeit – immer sehr wichtig, dass organisch alles abgeklärt ist – die Aufstellungsmethode ersetzt keine medizinische Diagnose.
Gerade bei Schwindel und Schwäche besteht ein Sog in Richtung Kopf, alles wird vernebelt, nichts mehr klar gesehen – eigentlich ein typisches Stress-Symptom. Eines, das nicht akzeptiert werden muss, eines, durch das nicht hindurchgegangen werden muss. In einer Symptomaufstellung kann zudem dem Schwindel oder der Schwäche eine Stimme verliehen werden – falls das Symptom etwas zu sagen hat.
Und oftmals geht es bei diesen Symptomen darum, buchstäblich “da” zu bleiben. Sich nicht von den Füßen holen zu lassen, sondern aus eigener Kraft zu schauen, was es denn braucht, um präsent zu bleiben. Vielleicht etwas früher vom Gas zu gehen und vielleicht selbst etwas Druck herauszunehmen. Und genau diesen Rhythmuswechsel kann der Kunde in der Symptomaufstellung ausprobieren. Gleichfalls auch die Wirkung erleben, die es macht, wenn selbst bestimmt an der eigenen Präsenz gearbeitet wird.
Gleichfalls auch hier: Die Symptomaufstellung ist gerade bei körperlichen Problemen nur der erste Schritt. Damit das Ganze verfestigt werden kann, braucht es meistens noch Nacharbeit entweder durch weitere Aufstellungen oder Einzelarbeit….
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erstellt am 11. Januar 2012
Die Aufstellungsszene ist sehr reichhaltig, es gibt verschiedene Ansätze und verschiedene Vorgehensweisen. Je nach “Schule” des Aufstellungsleiters und sicherlich auch je nach persönlicher Vorliebe. Was sich in meinen Augen aber prinzipiell gut hält, ist die Mär, daß eine Aufstellung vollkommen zur Lösung eines Problems ausreicht. In der alten Schule um Bert Hellinger wurde “die gute Lösung der Seele anvertraut” und dem Teilnehmer aufgetragen, das alles wirken zu lassen. Und manche warten auch noch Jahre nach einer Aufstellung auf die Wirkung.
Es gibt keine gute Lösung, es gibt nur einen ersten Schritt
Und dieser erste Schritt ist zum Beispiel eine Aufstellung. Ob eine Aufstelolung eine Lösung zeigt – keine Ahnung. Ich persönlich habe für meine Kunden keine Lösungen, genauso wenig wie ich über Wasser gehen kann. Und ich würde auch jedem Menschen gründlich mißtrauen, der vorgibt, eine Lösung für mich zu haben.
In meinen Augen gibt eine Aufstellung einen Anstoss. Die nächsten Schritte sind im realen Leben zu tun. Mit allen Fallstricken, die ein reales Leben so bieten kann. Aber auch mit allen Unterstützungen, die sich jemand von außen holen kann, der sich und sein Leben verändern möchte. Und dazu gehört für mich auch immer das Angebot für Einzelarbeit nach den Aufstellungen. Um am erkannten Thema dran zu bleiben, um die Veränderung am Leben zu halten und eventuelle Fallstricke besser in den Griff zu bekommen.
Auch wenn diese Aussage manch einen Seminarteilnehmer schon ziemlich enttäuscht hat. Aber Enttäuschung bringt Klarheit. Auch für den eigenen Weg.
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erstellt am 6. Januar 2012
Unter Systemaufstellungen verstehe ich, dass ich zusammen mit den Kunden deren Systeme ins Bild stelle. Und dabei ist es mir einerlei, ob das ein privates oder ein berufliches System ist. Oft geht es bei beruflichen Themen um den eigenen Standpunkt innerhalb eines Betriebes, um den Platz im Unternehmen. Und auffallend oft fragen sich vor allem die Inhaber, wo denn ihr Platz im eigenen Unternehmen ist. Vor allem dann, wenn langjährige Mitarbeiter hier immer gerne die Position streitig machen.
Wo ist mein Platz?
Das passiert vor allem dann, wenn der Inhaber nicht in seiner Führungsrolle ganz angekommen oder sich deren unsicher ist. Das scheinen Mitarbeiter zu wittern und versuchen, ein bißchen von diesem Platz abzubekommen. In meinen Augen auch eher ein weibliches Phänomen, da Männer sich eher schneller hierarchisch organisieren und diese gewählte Hierarchieform auch beibehalten. Frauen sind hier zum Teil täglich am aushandeln. Und wenn dann die Tagesform nicht so gut ist, dann werden Positionen schnell angezweifelt.
Was immer wieder als Frage dazu kommt ist, was denn dazukommen muss, damit die Führungskraft besser auf ihrer Position steht? Was sie sicherer und selbst bewusster machen würde gegenüber den “Remplern” ihrer Mitarbeiter. Auflösung gibt es hier oft durch die Aussagen der Stellvertreter, die eine gewisse Richtung erahnen lassen, in die die Führungskraft gehen kann, damit das System und die eigene Position wieder stabiler wird. Und das findet dann im realen Leben statt….
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erstellt am 26. Dezember 2011
Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir in einer Generation ADHS leben. Nicht nur die Kinder sind davon betroffen, sondern eigentlich vielmehr die Erwachsenen. Wenn ich 2-3 Tage der Woche unterwegs bin und auch öfters frühmorgends in einem Flugzeug sitze, dann wunder ich mich über diese ungebremste Energie, über den Tatendrang um 07 Uhr in der Früh, der es kaum aushält zu warten, bis die Anschnallzeichen erloschen sind.
Unruhe treibt an!
Übersetzt in meine Denkweise heisst das, dass sich viele Menschen über das eigene Tun wieder zur Ruhe bringen, sich selbst regulieren. Sie brauchen etwas von außen, um innerlich einigermaßen für sich erträglich zu werden. Aus diesem Grund sind sie unaufhörlich auf der äußeren Suche, voller unbewusster und natürlich nicht eingestandener Angst vor der Ruhe und dem, was kommt, wenn es draußen ruhig ist.
Da ich die Systemaufstellung gerne als eine Art Probehandeln sehe, ist sie ein gutes Medium, um zu schauen, was passiert, wenn es denn mal ruhig wird. Was denn dann die Stellvertreter sagen, wie man sich selbst so von außen sieht und wie man sich selbst fühlt, wenn man sich so von außen sieht. Und mit der Familie hat es auch ne Menge zu tun – Selbstregulation lernen wir von unserer Mutter. In erster Linie. Und wenn die uns das nicht vermitteln konnte, dann fehlt uns etwas. Zeit, dieses Etwas wieder für sich zu entdecken und zu lernen….
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erstellt am 14. Dezember 2011
Wenn man manche Familien so von außen betrachtet, dann braucht man keine Feinde mehr, die eigene Familie reicht vollkommen aus, um das Leben nuancenreich und spannend zu machen. Das Ganze wird dann noch verschärft, wenn Geld und Besitz vorhanden sind, um die es sich zu streiten lohnt. Und manchmal geht es um Bevorzugung in früheren Jahren durch die Eltern, um Neid in der Geschwisterreihe, aber auch darum, dass es die Eltern versäumt haben oder immer noch versäumen, ein klares Wort zu sprechen.
Das Ende eines Spiels
Das Ende des Spiels kann sein, dass sich einer oder mehrere der Spielteilnehmer dazu entscheiden, das Spiel nicht mehr mitzumachen. Sie steigen aus. Hören auf, ziehen sich zurück. Oder – sie lassen die bisher gezeigte Rücksichtnahme fallen und stehen zu dem, was ihnen zusteht. Jeder Schritt, der die bisherige Spielanordnung verändert, ist dabei ein guter Schritt, der gegangen werden kann. Und bei jeder Veränderung kann auch darauf geachtet werden, ob sich wirklich was verändert, ob es auf das zugestrebte Ziel zugeht oder nicht.
Und – wenn Schritte keine Wirkung haben, dann sind sie vielleicht derzeit nicht die richtigen Schritte. Ein Wissenschaftler macht ein und diesselbe Versuchanordnung auch nur maximal zwei Mal. Dann ändert er sie. Vielleicht ist auch das eine Möglichkeit zu einem Ergebnis zu kommen….
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erstellt am 6. Dezember 2011
Patchwork-Familien gibt es ja immer mehr und sind an sich nichts Besonderes mehr. Sofern es keine Probleme mit dem Zusammenwachsen der beiden Familienteile gibt. Und meistens gibt es die, die Kinder wissen nicht so richtig, zu wem sie gehören, wer sich um sie kümmert. Und der Drang zum “richtigen, aber fehlenden” Elternteil ist unbewusst immer vorhanden. Da muss auch keine Heile Welt gespielt werden, das ist einfach so. Viele Paare verwechseln das dann und denken, dass sie nun die neue Familie sind – und bekommen gar nicht die unbewusste Treue zum anderen Elternteil in den Kindern mit.
Ich anerkenne, dass ich nicht dein Vater/deine Mutter bin …
Diese Haltung ist ein guter Einstieg und eine Rückkehr zur Faktenlage. In Familienaufstellungen erlebe ich da auch immer öfters, dass die Kinder rumeiern, genausop wie die Erwachsenen rumeiern und sich nicht trauen das auszusprechen. Und ich erlebe die wohltuende Ruhe, wenn dieser Satz mal draußen ist. Und auf Basis dieser Fakten kann dann damit begonnen werden, zwischen den beiden Erwachsenen verbindliche Absprachen auszuhandeln: Wie wollen wir die Kinder behandeln? Wie stärken wir uns gegenseitig? Wie verhindern wir, dass wir auseinanderdividiert werden?
Dazu gehören auch Gespräche über eventuelle schlechte Gewissen, den beide vielleicht noch gegenüber den vorherigen Partnern haben und die einem kraftvollen Handeln im neuen Familiensetting im Weg stehen.
Wenn die beiden Erwachsenen miteinander und für sich klar sind, dann kehrt nochmals zusätzliche Ruhe ein. So etwas nennt sich dann Entspannung eines Familiensystems…
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erstellt am 29. November 2011
Manchmal gibt es sehr schnelle, kurze und prägnante Systemaufstellungen, zu denen eigentlich kaum was zu sagen ist: Eine Frau ist von ihrem Mann getrennt, beide kommen aber nicht voneinander los – Nähe und Vertrautheit als Gegenpol zur Autonomie und Trennung. Gleichzeitig passiert in der Familie der Frau noch sehr viel, sie kommt kaum zur Ruhe. In einem solchen Fall – Fragestellung war in Richtung Beziehung zum Mann – habe ich eine sehr eingegrenzte Aufstellung gewählt und nur sie und ihren Mann aufgestellt.
Manche Systemaufstellungen passieren in wenigen Sekunden bis Minuten
Die beiden werden auseinander aufgestellt, gehen in ihre Rollen und bekommen die Erlaubnis, sich zu bewegen. Beide bewegen sich aufeinander zu, er legt seinen Arm um ihre Schulte, sie lehnt den Kopf an seine Schulter, atmet tief durch und weint. So habe ich das dann auch gelassen – es gibt nichts mehr zu tun, weder in der Aufstellung noch im realen Leben. Und manchmal ist es gut, seinen Kopf nicht so ernst zu nehmen, sondern dem zu folgend, was meistens unterhalb des Halses etwas zu sagen hat…..
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erstellt am 23. November 2011
Vielleicht kennen Sie das – eigentlich sollten Sie etwas tun und Sie machen auch immer wieder Anläufe und raffen sich auf. Doch irgendwie verpufft Ihre Energie nach den ersten zwei Schritten, dass Sie aufhören und Ihr Vorhaben abbrechen. Oder Sie werden immer phlegmatischer, haben zu nichts mehr Lust, haben sprichwörtlich Ihren Drive verloren. Und vielleicht können Sie das an einem bestimmten Datum festmachen; oder es ist ein schleichender Prozess, dessen Ergebnis Sie jetzt gerade präsentiert bekommen.
Eine Systemaufstellung kann auch durchaus abstrakter sein!
In einem solchen Fall das Familiensystem aufzustellen wäre ziemlich im Nebel herumzustochern. Oftmals ist es da wesentlich wirksamer, auf eine abstraktere Ebene zu gehen und vielleicht den Fragenden und die zwei Pole in den Raum zu stellen: Also in diesem Fall Stellvertreter für mich, für das, was mich antreibt und das, was mich davon abhält. Und dann schauen, wie sich das Bild verändert. Und manchmal kann es auch gut sein, gleich zu Anfang auch noch einen “Joker” zu wählen, also das, was vielleicht die unbekannte Variable ist.
Aber – sollte es eine Unbekannte geben, dann wird die sich eh zeigen in der Aufstellung. Soviel meine Hypothese, die durch viele Aufstellungen mittlerweile untermauert ist…..
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